Erster Test des neuen Mercedes-Benz Sprinter

13 Apr 2018
Mercedes-Benz Sprinter
Der Mercedes-Benz Sprinter im Test hat einen 143 PS starken 2,1 Liter Diesel-Motor. Foto: Daimler

Generation Nummer drei steht in den Startlöchern. 23 Jahre nach dem ersten Sprinter meldet sich die neueste Ausbaustufe des Transporter-Klassikers von Mercedes-Benz zur ersten Ausfahrt.

Das Fahrzeug, das sich als erstes dem Urteil von lastauto omnibus unterziehen muss, ein Kastenwagen, hat einen 143 PS starken 2,1 Liter Diesel, den neuen Frontantrieb und ein manuelles Sechsganggetriebe an Bord. Grundsätzlich neu ist der Motor nicht. Allerdings hat Daimler einerseits den Zylinderkopf angepasst, vor allem aber die Peripherie überarbeitet. Außerdem verbaut Daimler in den Aggregaten die neueste SCR-Generation und hat auch die Motorsteuerung modernisiert. Im ersten Schritt werden die Dieselmotoren auch die einzige verfügbare Antriebsvariante der neuen Sprinter-Generation sein. Im Sommer 2019 kommt zwar endlich der batterieelektrische eSprinter, doch zum Beispiel eine Erdgasvariante ist nicht geplant. Benziner gibt es wiederum nach aktuellem Stand nur für den amerikanischen Markt. Bei beiden Alternativen zum Diesel gibt sich Daimler allerdings nicht zugeknöpft. Ein Erdgasmotor sei nicht ausgeschlossen. Und natürlich sei es bei entsprechendem Bedarf auch möglich, dass der Benziner nach Europa kommt. Solche Möglichkeiten angesichts der aktuellen Stimmung in Politik und Markt kategorisch auszuschließen wäre ohnehin fatal.

Ob mit neuer oder bewährter Technik: beim ersten Anfahren fühlt sich der Wagen sofort an wie ein alter Bekannter. Der Druckpunkt der Kupplung ist angenehm. Sehr gut abgestimmt ist auch die Traktionskontrolle. Wer mit der Brechstange versucht, die vorderen Räder aus der Ruhe zu bringen, erntet zwar ein wenig pfeifende Reifen, spürt aber im Gegenzug, dass die Elektronik den Schlupf exakt ausbalanciert. Sie bremst den Bleifuß also gerade so weit ein, dass die Haftung gewahrt bleibt, gleichzeitig aber nicht wie ein ruppiger Anker wirkt. Ebenso wie die Traktionskontrolle arbeitet auch der Seitenwindassistent auf Basis des ESP. Bei der Fahrt über die holländische Autobahn gibt es vom seitlich wehenden Wind mehr als genug, wovon auch die Windräder am Straßenrand turbulent zeugen. Trotzdem hält die Elektronik den Wagen unmerklich in der Spur. Nur ganz selten ist ein Eingriff überhaupt zu spüren. Der Rest funktioniert unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Mercedes hat also beim Sprinter erreicht, dass sich der 3,5 Tonner trotz seiner Ausmaße handlich und geschmeidig wie ein Pkw fährt. Selbst rückwärts einparken verliert dank der optionalen 360-Grad-Kamera auch den letzten Schrecken, die das Fahrzeug in der Draufsicht zeigt. Dazu kommen Parkpiepser rundum, wie sie auch der Wettbewerber VW Crafter bietet.

Unter dem Strich ist die Evolution des Urgesteins unter den leichten Nutzfahrzeugen also geglückt. Auch wenn der Vorgänger gefühlt noch gar nicht so alt war, hat Daimler die Baureihe mit einem Schlag in die Zukunft überführt. Den größten Anteil daran hat die Elektronik mit all ihren vernetzten Möglichkeiten von MBUX bis Mercedes Pro Connect. Blendet man dies jedoch aus und betrachtet das reine Basisfahrzeug – schließlich wird nicht jeder Sprinter mit riesigem Display und allen Schikanen vom Band laufen – bleibt trotzdem ein gelungenes Nutzfahrzeug mit einigen spannenden Neuheiten übrig. Seine Langstreckenqualitäten und seinen Durst wird der neue Sprinter in den nächsten Monaten im Einzeltest beweisen müssen.

Den kompletten Testbericht finden Sie unter etm.de/sprinter18