ADAC: Viele Tunnel haben Mängel

26 Jun 2020
ADAC Tunnel, Italien
Der ADAC hat in seinem Tunnelcheck an einigen Tunneln gravierende Mängel festgestellt. Foto: ADAC

Der ADAC hat 16 Tunnel in Italien, Kroatien und Österreich auf ihre Sicherheit getestet. Vor allem in Italien seien die Vorgaben der EU nicht eingehalten worden. Alle getesteten Tunnel besitzen eine Mindestlänge von einem Kilometer und liegen auf Urlaubsstrecken der Deutschen gen Süden. Mit speziell präparierten Autos haben die Tester Sichtprüfungen und Abstandsmessungen in den Tunnel durchgeführt.

In Italien weisen alle getesteten Tunnel Sicherheitsmängel auf

Bei sieben von acht Tunnel in Italien stellten die Tester fest, dass oftmals Notausgänge und Pannenbuchten fehlen oder die Abstände zwischen den Fluchtwegen zu groß seien. Zudem fehlten in mehreren Tunnel Notruftelefone, Lautsprecher und durchgängiger Verkehrsfunk. Kritisch sei hierbei, dass in Italien die Tunnel mehrheitlich in Privatbesitz seien. Der Betreiber Autostrade per l’Italia sei immer wieder in der öffentlichen Kritik, da notwendige Sanierungen nicht getätigt würden. Dass fehlende Mauteinahmen aufgrund der Corona-Pandemie zu geringeren Investitionen in die Tunnel führen könnten, sei als Vorwand inakzeptabel.

Kroatien: Einer von drei Tunneln fällt durch

Der zweitschlechteste Tunnel in der Inspektion befinde sich in Kroatien. Auch hier hätten Pannenbuchten einen zu großen Abstand und es fehlten Lautsprecher und externe Zugänge für Rettungskräfte. Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass die Anzahl der Fahrstreifen vor und im Tunnel nicht gleich sei, was zu einer reduzierten Sicherheit führe.

Österreich schneidet am besten ab

Die fünf getesteten Tunnel in Österreich erfüllten alle die notwendigen Sicherheitskriterien des ADAC. Alle verfügen über zwei getrennte Röhren, sodass sich Fahrzeuge dort nicht im Gegenverkehr begegnen. Notausgänge und Fluchtwege seien deutlich gekennzeichnet und es gebe eine helle Beleuchtung, sowie eine langsame Anpassung des Tunnellicht in den Einfahrtsbereichen. Einziger Kritikpunkt war hier der mit 1200 Metern zu große Abstand der Pannenbuchten im Oswaldiberg-Tunnel.

Die häufigsten Mängel

44 Prozent der Tunnel besitzen laut ADAC keine Pannenbuchten und Löschwassserhydranten an den Portalen. In zwei Tunnel gebe es keine Notausgänge, sowie in sechs weiteren nur ungenügend viele, da hier die Ausgänge bis zu 300 Meter weiter entfernt seien als erlaubt. Bei knapp einem Drittel (31 Prozent) fehle zudem der Verkehrsfunk. Dies habe zur Folge, dass in der Kategorie Ereignisbeherrschung noch große Defizite bestehen. Hierzu zählen zum Beispiel die Videoüberwachung und Feuerlöscher. Im Ernstfall könnte das eine erfolgreiche und schnelle Hilfe behindern. Auch für die Selbstrettung besteht bei der Hälfte der Tunnel noch Verbesserungsbedarf. Es sollten mehr Notausgänge bereitgestellt und diese besser gekennzeichnet werden.

Die dritte Kategorie Prävention betrifft vor allem die Planung der Tunnel, bei der auf ausreichende Beleuchtung, gute Beschilderung und kurze Abstände zwischen Pannenbuchten geachtet werden sollte. Hier fiel jeder fünfte Tunnel durch die Prüfung der ADAC-Tester. Bei der Hälfte bestehe Nachholbedarf.