Astemo: Elektromotor ohne seltene Erden ab 2030

14. Jan. 2026Newsletter
Der japanische Autozulieferer Astemo entwickelt derzeit einen Elektromotor für batterieelektrische Fahrzeuge, der ohne seltene Erden auskommen soll. Die sogenannte Synchronreluktanz-Technik soll Ressourcenrisiken senken und ab 2030 erstmals Anwendung finden.
Konventionelle BEV-Motoren setzen meist auf Permanentmagnete aus seltenen Erden, um starke Magnetfelder zu erzeugen. In der Vergangenheit hat sich dabei gezeigt, dass diese Materialien geopolitisch sensibel und in der Förderung begrenzt sind. Auch deshalb sind sie starken Preisschwankungen unterworfen.
Magnete ohne seltene Erden – wie etwa Ferritmagnete – sind zwar gut verfügbar, besitzen aber nur etwa ein Drittel oder weniger der magnetischen Kraft. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Motor für die gleiche Leistung dreimal so groß sein müsste. Zwar existieren Alternativen wie Induktions- oder fremderregte Motoren, die ohne Permanentmagnet auskommen, allerdings benötigen diese großen Mengen an Kupfer.
Öl übernimmt Motorkühlung
Astemo hat als Lösungsansatz einen neuen Synchronreluktanzmotor entwickelt. Der Motor erzeugt Rotationskraft, indem er Unterschiede in magnetischen Widerstand (Reluktanz) nutzt, die sich aus der Form des Rotorkerns ergeben. Durch die Entwicklung einer sogenannten „Multi-Layer-Flux“-Struktur wird der Weg der magnetischen Kraftübertragung in mehrere Schichten aufgeteilt. Auf diese Weise kann die starke Magnetkraft von Neodym-Magneten kompensiert werden.
Die Herausforderung für Astemo: Der höhere Stromfluss im Stator stellt bei Synchronreluktanzmotoren eine technische Herausforderung dar, da er zu zusätzlicher Wärmeentwicklung führt. Das Joint-Venture von Honda, Hitachi Ltd. und JIC Capital begegnet diesem Problem mit einem ölgekühlten Spulendesign, bei dem Nuten und Spulenenden direkt in Kühlöl eingebettet sind. So lässt sich die thermische Belastung wirksam reduzieren.
Gesamtleistung von 315 kW
Der Hauptantriebsmotor erreicht eine Leistung von 180 kW. Dabei handelt es sich um einen magnetunterstützten Synchronreluktanzmotor, der Ferritmagnete nutzt – ohne seltene Erden. Die Baugröße liegt rund 30 Prozent über der eines klassischen Permanentmagnetmotors.
Für den Nebenantrieb kommt ein vollständig magnetfreier Synchronreluktanzmotor zum Einsatz. Er liefert bei Bedarf bis zu 135 kW und verhindert Energieverluste im Freilaufbetrieb. Zusammen erreichen Haupt- und Nebenantrieb eine Gesamtleistung von 315 kW.
In Zukunft könnte der neue Motor auch in Serienfahrzeugen zum Einsatz kommen – das könnte dann mitunter auch bei dem ein oder anderen Transporter eine interessante Alternative darstellen.
Astemo: 80.000 Mitarbeiter weltweit
Astemo, mit Hauptsitz in Tokio, Japan, ist ein Joint Venture zwischen Hitachi, Ltd. und Honda Motor Co. sowie JIC Capital, Ltd. Mit 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit sowie Niederlassungen in Nord- und Südamerika, Asien, China, Europa und Japan ist das Unternehmen ein globaler Zulieferer für die Automobilindustrie.
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