Brexit: BVL befürchtet Unterbrechung der Supply Chain

8 Feb 2019
Brexit
Experten befürchten im Brexit-Fall das Schlimmste. Foto: ETM

Fachleute rechnen mit dem Schlimmsten, was den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU angeht. Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) hat Expertenaussagen zu den Folgen des Brexits für die Logistik gesammelt.

Auch bei Veranstaltungen der Bundesvereinigung Logistik (BVL) steht das Thema Brexit oben auf der Agenda. Der BVL schätzt die Lage, weniger als zwei Monate vor dem Austrittstermin des Vereinigten Königreichs (UK), als zunehmend verfahren ein. „Logistikunternehmen bereiten sich auf den ungeordneten Austritt des UK aus der Europäischen Union vor.“ Es herrsche jedoch die Hoffnung, dass das Szenario nicht eintrete und möglicherweise zunächst der Zeitplan revidiert werde. Auf verschiedenen Veranstaltungen des BVL haben sich Experten zum Brexit geäußert.

Oliver Zipse, Mitglied des Vorstandes von BMW, sagte etwa auf der Forum Automobillogistik von BVL und dem Verband der Automobilindustrie (VDA): „Die Auswirkungen eines harten Brexits sind mit denen einer Naturkatastrophe vergleichbar.“ Der Automobilhersteller würden sich seit Monaten auf den immer wahrscheinlicheren Fall eines ungeordneten Brexits vorbereiten.

Professor Hans-Werner Sinn, ehemaliger Präsident des Ifo-Instituts ist der Meinung: „Der Brexit zerstört die europäische Nachkriegsordnung.“ Der gesamte europäische Wirtschaftsraum werde durch die protektionistischen Bestrebungen über Jahrzehnte bedroht. Er hält eine Verschiebung des Austrittstermins für möglich, um den EU-Austritt in einem zweiten Referendum zu verwerfen.

Alan Braithwaite von der englischen Cranfield School of Management schätzt die Lage noch drastischer ein: Die britische Regierung habe die Kontrolle verloren. No Deal habe zwar keine Mehrheit, „aber darauf könnte es aus Versehen hinauslaufen.“ Die EU allerdings würde sich dieser Erkenntnis jedoch verschließen.

Thomas Pütter, der sich bei der Nagel Group schon seit Längerem mit der Vorbereitung auf den Brexit beschäftigt, spricht laut der BVL von großer Planungsunsicherheit. Er setzt sich mit dem No Deal-Szenario auseinander, bis dieses Szenario auszuschließen ist. „Lieber auf das Schlimmste vorbereitet sein – in der Hoffnung, dass es dann nicht kommt.“ Die Nagel Group informiere ihre Kunden, bereite Checklisten und Notfallpläne vor. „Unterbrechungen der Supply Chain sind zu erwarten.“ Deswegen würden derzeit die Läger in Großbritannien aufgefüllt, um Problemphasen zu überbrücken. Nadelöhr sei vor allem die Verbindung Calais-Dover, zu der es kaum Alternativen gebe.