DEKRA startet Trust-Center-Initiative

29. Apr. 2019
Die weltweit tätige Expertenorganisation DEKRA ist erfolgreich ins Jahr 2019 gestartet. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um fast fünf Prozent auf über 800 Millionen Euro. Das Unternehmen sieht sich damit auf Kurs, auch im 16. Jahr in Folge zu wachsen, und rechnet mit einem Jahresplus zwischen vier und sechs Prozent. Zu den Highlights der ersten Monate des Geschäftsjahres zählten die Eröffnung der ersten Prüfstation in China und die Trust-Center-Initiative, die DEKRA gemeinsam mit anderen Prüforganisationen für die gesamte Branche auf den Weg gebracht hat, um in der datenbasierten und vernetzten Welt der Zukunft die hoheitlichen Prüfaufgaben wirksam erfüllen zu können. Das gilt insbesondere für die sichere Mobilität. „Die Daten gehören den Verbrauchern. Die sicherheits- und umweltrelevanten Daten, die die Fahrzeuge generieren, müssen den Prüforganisationen ungefiltert zur Verfügung stehen. Sonst lassen sich der ordnungsgemäße Zustand und die Sicherheit der Fahrzeuge nicht garantieren“, sagte DEKRA Vorstandsvorsitzender Stefan Kölbl vor Journalisten in Stuttgart. Beim Blick in den Rückspiegel zeigte sich der DEKRA Chef sehr zufrieden: Der Konzernumsatz legte 2018 um 6,6 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zu. Die Mitarbeiterzahl stieg um über 1.000 auf fast 45.200. Das Auslandsgeschäft hat sich weiter positiv entwickelt und erreicht inzwischen 1,3 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte der Belegschaft ist außerhalb Deutschlands beschäftigt. Seine Stellung als größte nicht börsennotierte Expertenorganisation der TIC-Branche (Testing, Inspection, Certification) konnte DEKRA 2018 damit weiter ausbauen.
Nach intensiver Vorbereitung hat DEKRA vor wenigen Wochen in Shenzhen die erste Prüfstation für Pkw in China eröffnet. Eine zweite in Peking ist im Bau und soll im zweiten Halbjahr den Betrieb aufnehmen. Die Expertenorganisation ist als weltweiter Marktführer im Fahrzeugprüfwesen damit auch Vorreiter im größten Automobilmarkt der Welt. „Wir verfolgen in der Volksrepublik ambitionierte Ziele“, sagte Stefan Kölbl. „Der Einstieg ist für uns ein Meilenstein. Sollten sich unsere Erwartungen erfüllen, werden wir in den nächsten Jahren weiter kräftig investieren.“ Die Prozesse bei Fahrzeugprüfungen in China sind stark arbeitsteilig organisiert und laufen teilweise datenbasiert und automatisiert ab. Dadurch können in Shenzhen etwa 20 Fahrzeuge pro Stunde geprüft werden, gegenüber drei bis vier in einer Prüfspur in Deutschland. Shenzhen hat dadurch eine Kapazität von 50.000 Fahrzeugen pro Jahr. In Peking werden es rund 180.000 sein, da dort auch Lkw und Busse geprüft werden und die Station noch größer sein wird. Kölbl: „Hier errichten wir die größte DEKRA Station weltweit.“
China zeigt nach Ansicht von DEKRA, in welche Richtung sich die Fahrzeugprüfung entwickeln wird. „Die Hauptuntersuchung der Zukunft, die HU 4.0, wird datengetrieben sein“, erklärte der DEKRA Vorstandsvorsitzende. „Das eröffnet eine Jahrhundertchance für mehr Sicherheit im Verkehr. Voraussetzung ist allerdings, dass Prüforganisationen wie DEKRA ungefilterten Zugang zu den Daten haben, die im anbrechenden Zeitalter des automatisierten und vernetzten Fahrens im Fahrzeug entstehen.“ Doch diese Daten werden bisher allein an die Hersteller übertragen. Gemeinsam mit anderen Prüforganisationen hat DEKRA deshalb die notwendige Trust-Center-Initiative gestartet. Auf einer herstellerunabhängigen Plattform sollen Fahrzeugdaten treuhänderisch gespeichert und nach klar definierten Kriterien an Prüforganisationen weitergegeben werden. „Wir müssen in der Lage sein, alle sicherheits- und umweltrelevanten Systeme über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs auf Beschädigungen, Fehlfunktionen und Manipulationen unabhängig prüfen zu können“, begründete Kölbl die Initiative. „Insbesondere nach Verkehrsunfällen und Verkehrsverstößen wird es in Zukunft immer wichtiger, Ursachen und Verantwortlichkeiten zu klären. Der ungefilterte Datenzugang ist dafür zwingende Voraussetzung.“
Digitalisierung von Services und Prozessen
Im Geschäftsjahr 2018 stand bei DEKRA auch die weitere Digitalisierung der eigenen Services und Prozesse auf der globalen Agenda. In Neuseeland wurde die digitale Inspektionsplattform INSPEKT entwickelt und an rund 200 Standorten im Land eingeführt. In Deutschland arbeitet die DEKRA Digital GmbH am DEKRA S@fety Index, einer App, die das Fahrverhalten analysiert und so die Verkehrssicherheit verbessern soll.
Die App wird derzeit vom jungen Mobilitätsdienstleister MOIA in Hannover getestet. Die VW-Tochtergesellschaft bietet sogenanntes „Ride Pooling“ an: Ein Algorithmus bündelt die Buchungen der Fahrgäste zu idealen Routen, so dass der Verkehr in den Innenstädten entlastet wird. „Wir sind exklusiver Partner von MOIA und haben die Fahrer rekrutiert und ausgebildet“, erläuterte DEKRA Chef Kölbl. Überdies ist DEKRA für die Einhaltung der Wartung und Pflege der 50 ShuttleBusse verantwortlich sowie für die Erstellung der Einsatzpläne. „Dank unseres Know-hows rund ums Kraftfahrzeug, in der Personaldienstleitung und in der Qualifizierung ist die Partnerschaft mit MOIA für beide Seiten vielversprechend“, so Kölbl. „MOIA ist ein Beispiel dafür, wie wir unterschiedliche Kompetenzen – auch datengetrieben – zu Komplettangeboten bündeln und uns so Wachstumschancen erschließen.“
Ein umfassendes Dienstleistungsangebot beim automatisierten und vernetzten Fahren ist das Ziel des internationalen Testverbunds. Am Lausitzring, Europas größter herstellerunabhängiger Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren, bieten DEKRA und Deutsche Telekom künftig der Automobilbranche ein Testfeld auf Basis der 5G-Technologie; auf dem Testareal in Málaga finden 5GTests mit Telefónica statt. Am Lausitzring lassen sich unterschiedlichste Szenarien der vernetzten Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit ihrer Umgebung prüfen. Außerdem wird aktuell im DEKRA Technology Center in Klettwitz am Lausitzring wegen großer Nachfrage das Labor für einen Millionenbetrag erweitert. Ab Herbst ist die verdoppelte Kapazität hochmoderner Abgas-Rollenprüfstände verfügbar – und bereits jetzt stark ausgebucht.
Position als Weltmarktführer in der Fahrzeugprüfung ausgebaut
Nicht nur in Richtung China hat DEKRA im vergangenen Jahr die internationale Expansion im Fahrzeugprüfwesen vorangetrieben. Nach der Übernahme eines regionalen Anbieters ist die Expertenorganisation jetzt auch in Dänemark vertreten. Darüber hinaus konnte in Europa die Zahl der Prüfstationen in Ländern wie Schweden, Bulgarien, Österreich, der Slowakei und der Tschechischen Republik ausgebaut werden. In den USA hat die Akquisition von Jiffy Smog mit 24 Abgasprüfstationen in Nevada die Position in Nordamerika gestärkt. Dort ist DEKRA inzwischen in sechs US-Bundesstaaten vertreten.
In Großbritannien wurde Gain Solutions erworben, ein Spezialist für Fahrzeug-Zustandsprüfungen und Flottenmanagement. In Südamerika hat DEKRA in Brasilien fünf eigene Prüfstandorte in São Paulo mit Dienstleistungen rund um das Flottenmanagement eröffnet. Die Geschäftsbeziehung mit dem PSA-Konzern (Peugeot-Citroën) wurde weiter ausgebaut: Nach der Übernahme von Opel durch PSA unterstützt DEKRA beim kompletten Rücknahmeprozess von jährlich über 200.000 Flottenfahrzeugen aller Konzernmarken in zehn europäischen Ländern.
Insgesamt hat DEKRA seine Position als Marktführer mit weltweit 26 Millionen Fahrzeugprüfungen weiter gefestigt. Auch in Deutschland ist DEKRA führend im Prüfwesen mit rund elf Millionen Prüfungen bei einem Marktanteil von 33 Prozent.
Industrienahe Services auf Expansionskurs
Dank der weiteren Globalisierung und der guten Position in Zukunftsfeldern konnte DEKRA auch in den industrienahen Services das Geschäft ausbauen. Kölbl: „Die internationale Expansion war durch strategische Zukäufe und die gezielte Kompetenzerweiterung gekennzeichnet.“ Durch den Erwerb der niederländischen Industrial Safety Group konnte die Position als Sicherheitsberater von Öl & Gas-, Chemie- und Pharma-Unternehmen verbessert werden. Die rund 100 Spezialisten für Arbeits- und Brandschutz sowie Gesundheit und Prävention unterstützen multinationale Industrieunternehmen bei Bau- und Montageprojekten, Change-Prozessen und Revisionsstillständen. Anknüpfend an die Marktbedürfnisse wurde in Shanghai ein Labor eröffnet, das sich speziell der Prüfung von Gefahren durch chemische Prozesse – sogenannte Chemical Reaction Hazard (CRH) – widmet. Mit dem neuen Labor ist DEKRA nunmehr auf drei Kontinenten mit dieser Kompetenz vertreten. Weiter wurde DEKRA in Japan als Zertifizierungsstelle für die Prüfung von Produkten anerkannt, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden.
Im Markt für Produktprüfungen und -zertifizierungen konnte DEKRA seine Expertise und Akzeptanz ebenfalls weiter verbessern. So werden jetzt auch Medizintechnikunternehmen bei der Produktzertifizierung nach dem Standard der Medical Device Single Audit Program (MSDAP)-Organisation unterstützt. Diese Zertifizierung ist beispielsweise für den Zugang zu den bedeutenden Märkten in Australien, Japan, Brasilien, Kanada und USA wichtig. In China wurde zudem ein neues Labor speziell für die Prüfung von WiFi-Verbindungen eröffnet. „Durch unsere globale Aufstellung konnten 2018 weitere Kunden gewonnen werden“, so Stefan Kölbl. „Wir sind heute von der Medizintechnik über Energieinfrastruktur und -anlagen bis zur E-Mobilität und Netzwerktechnik in allen wichtigen Märkten präsent.“
Impulse für Bildung, gefragte Personaldienstleistungen
Die bislang gute konjunkturelle Lage in Deutschland und in vielen Ländern Europas hat auch das Geschäft der beiden Geschäftsfelder Training und Zeitarbeit getragen, die beide gewachsen sind und ihre Marktposition ausbauen konnten. Als einer der größten privaten Bildungsträger in Deutschland konnte das Geschäftsfeld Training die Nutzerzahl des digitalen Unterweisungsportals zur Arbeitssicherheit, das DEKRA Safety Web, deutlich ausbauen. Erste Inhalte wurden auch international adaptiert. Mit der neuen Software „DEKRA Tag.it“ ist es zudem möglich, standortspezifische Inhalte zu Gefährdungssituationen und Sicherheitsmaßnahmen für jeden Beschäftigten auf Smartphones oder Tablets abzurufen. Die Integration geflüchteter Menschen unterstützt DEKRA seit 2016 bundesweit mit Sprach- und Integrationskursen. In Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, den Jobcentern und Unternehmen werden diese Menschen beruflich qualifiziert. Um den Fachkräftemangel in Deutschland, insbesondere in den Pflegeberufen, aber auch im IT-Bereich, abzufedern, qualifiziert DEKRA für inzwischen über 70 Kunden Mitarbeiter in Südosteuropa. Sie werden fachlich und sprachlich ausgebildet, um dann mit einer festen Arbeitsplatzzusage nach Deutschland zu kommen. Aktuell sind über 3.000 Teilnehmer in dem Expert-Migration-Programm. Rund 1.300 Pflegefachkräfte wurden 2018 bundesweit an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen vermittelt.
Das Geschäftsfeld Zeitarbeit hat seine Position unter den größten Anbietern von Personaldienstleistungen in Deutschland weiter gefestigt und liegt nun auf Platz 6 (bisher Platz 7). Neben dem deutschen Markt liegt der Fokus weiterhin auf der internationalen Expansion. Nach dem Einstieg in Frankreich und Österreich im Jahr 2018 ist DEKRA inzwischen in 17 Ländern mit Zeitarbeitsdienstleistungen vertreten. Dieses Jahr sind weitere Auslandspräsenzen geplant.
Positiver Ausblick 2019
Im Jahr 2018 hat DEKRA die Basis für 2019 gelegt, dass der erfolgreiche Wachstumskurs im 16. Jahr trotz ambitionierter werdenden weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen fortgesetzt werden kann. „Der globale Megatrend Sicherheit ist grundsätzlich weiter intakt. Als innovativer internationaler Lösungsanbieter wird DEKRA davon profitieren und mit aller Kraft für mehr Sicherheit in traditionellen wie in digitalen Märkten sorgen“, so DEKRA Chef Stefan Kölbl. „Unsere zu Jahresbeginn neu eingeführte Unternehmensstruktur mit acht Service Divisions und acht Regionen stärkt unsere Kundenorientierung, bietet weltweit umfassendere Lösungen an und nutzt unsere Kompetenz bei der Digitalisierung noch besser.“