DEKRA will Fahrradfahrer mit Aufklebern warnen

20 Sep 2018
Warnaufkleber DEKRA.
DEKRA will mit den Aufklebern Lkw-Abbiegeunfälle verhindern. Foto: Karl-Heinz Augustin

Achtung tödliche Gefahr: Die Prüforganisation DEKRA warnt Fahrradfahrer eindringlich davor, rechts neben wartenden Lkw zu stehen oder gar an diesen rechts vorbeizurollen. Denn der Bereich rechts von einem Lkw kann – wenn der Lkw rechts abbiegt – zur tödlichen Falle werden, ohne dass Radfahrern das bewusst ist.

Hier will DEKRA vorbeugen und Lkw-Abbiegeunfälle verhindern. Das Unternehmen wendet sich deshalb mit einem großflächigen farbigen Aufkleber direkt an die Radfahrer. „Fahr niemals rechts vorbei!“ – diese Aufforderung ist in schwarzer Schrift darauf zu lesen. Darüber ist das Ganze zusätzlich farbig illustriert, der Radfahrer rechts neben dem Lkw ist mit einem roten Kreuz durchgestrichen.

DEKRA gibt die Warnung vor dem Hintergrund der nicht abreißenden Serie an tödlichen Lkw-Abbiegeunfällen heraus. Das Unternehmen will die Aufkleber in den nächsten Wochen an seine Mitgliedsunternehmen verteilen, damit diese sie ans Heck ihrer Lkw kleben. DEKRA Automotive-Vorstand Clemens Klinke sagte auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover, dass auch in anderen Ländern Fahrradfahrer auf diese Weise gewarnt würden und möchte das gerne auf Deutschland übertragen.

DEKRA fordert Korrektur der StVO

Paragraph 5, Absatz 8 der Straßenverkehrsordnung (StVO) erlaubt es Rad- oder Mofafahrern, an Ampeln rechts an einem Lkw vorbeizufahren, sofern ausreichend Platz ist. Klinke warnt davor, dass Radfahrer mit dieser Regelung erst in die Falle gelockt werden. „Dieser Platz entsteht überhaupt nur dann, wenn der Lkw sich etwas weiter links einordnet, um nach rechts abbiegen zu können“, erläuterte der DEKRA-Vorstand. Er fordert, dass diese Regelung im Sinne der Radfahrer und der Verkehrssicherheit gestrichen wird.

Gleichzeitig macht sich DEKRA für eine weitere Aufklärung und Verkehrserziehung stark. Dabei sieht sich das Unternehmen auch selbst in der Verantwortung. Im Herbst starten die 75 DEKRA-Niederlassungen in Deutschland entsprechende Tote-Winkel-Aktionen mit Lkw an Schulen. Darüber hinaus wirbt DEKRA für den Einbau von Abbiegesystemen. „Wir haben mehrere Systeme in der Praxiserprobung und werden sie weiter begleiten“, kündigte der DEKRA-Vorstand an. Potenzial sieht er aber auch bei seitlichen Markierungsleuchten an Trailern. Betätigt der Lkw-Fahrer den Blinker und setzt zum Abbiegen an, blinken die Leuchten auf – eine weitere Maßnahme zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern. DEKRA ist auch Partner der Aktion Abbiegeassistent von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und ist bestrebt diese Sicherheitspartnerschaft mit Leben zu füllen.

Neben den Abbiegeunfällen versetzt DEKRA aber auch die weiter hohe Zahl an Lkw-Auffahrunfällen in Sorge. Bei Lkw über acht Tonnen sind Notbremsassistenten seit 2015 Pflicht, ab November gilt die Pflicht auch für Lkw ab 3,5 Tonnen. Gefordert ist aktuell nur eine Reduktion um 20 km/h, aber kein vollständiger Stillstand. DEKRA hat auf dem firmeneigenen Lausitzring in Klettwitz einige Systeme getestet und auch in Filmen dokumentiert, dass etwa Lkw von Daimler, MAN oder Volvo komplett zum Stillstand kommen. „Daher fordern wir, dass diese Systeme weiterentwickelt werden und es höhere Anforderungen als nur eine Reduktion um 20 km/h gibt“, sagte Clemens Klinke.

Fest steht für ihn auch, dass Fahrer diese Systeme nicht mehr abschalten dürfen. Doch um die Systeme zu beherrschen, müssten Fahrer erst einmal intensiv geschult werden. „Sie müssen sich über die Folgen im Klaren sein, was passiert, wenn sie den Notbremsassistenten abschalten.“