DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge 2025
11. Nov. 2025NewsletterDer DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge 2025 ist die ideale Plattform, um Innovationen und Trends im Kontext des Straßengüterverkehrs vorzustellen. Rund 300 Teilnehmer nutzten die Chance in Berlin zum Austausch.
„Mit der Sicherheit und Zukunftsfähigkeit von gewerblich genutzten Fahrzeugen beschäftigen wir uns bei DEKRA seit 100 Jahren. Im Jahr 1925 wurde hier in Berlin der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungsverein gegründet, aus dem heute der DEKRA e.V. geworden ist“, sagte Jann Fehlauer, Geschäftsführer DEKRA Automobil, bei der Eröffnung.
DEKRA Zukunftskongress seit 2015
2015, also vor mittlerweile zehn Jahren, wurde das damals neue Veranstaltungsformat DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge ins Leben gerufen, erinnerte Fehlauer – Beweis dafür, dass DEKRA sich an den Anforderungen der Transport- und Logistikbranche orientiere und dabei in die Zukunft schaue.
Effizienz, Sicherheit, KI und Emissionsminderung
2025 nutzten rund 300 Teilnehmer die Gelegenheit, sich an zwei Tage über Neuheiten, Herausforderungen und Entwicklungen zu informieren und um sich gemeinsam zu den Schwerpunkten Nutzfahrzeug-Technologie, Digitalisierung und Logistik/Letzte Meile auszutauschen. Dabei ging es etwa um mehr Effizienz, Sicherheit, Künstliche Intelligenz oder Emissionsminderung. Themen, die laut Fehlauer eng miteinander verzahnt und notwendig für einen zukunftssicherer Güterverkehr sind.
Ein ebenso wichtiges Thema für die Branche: „Wir können die Zukunft nur zusammen gestalten – zusammen mit allen Partnern“, sagte Oliver Trost, Geschäftsführer des EuroTransportMedia Verlags. Dem stimmte auch Christoph Günter, President EMEA bei SAF-HOLLAND, zu. Als Megatrends der Branche zählte er in einer Keynote die Themenkomplexe Urbanisierung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Automatisierung auf. Aber: Oft genug war die Gesetzgebung in der Vergangenheit ein Treiber für Innovationen. Aber laut Günter werden die teilweise sehr großen bürokratischen Hürden inzwischen von den Unternehmen mit Sorge betrachtet. Das erschwere gerade für kleine und mittlere Unternehmen die Bedingungen. Kooperationen sind also in Zukunft umso mehr gefragt.
Staatssekretär Stefan Schorr: Unterstützung durch das BMV
Ebenso stellte Stefan Schorr, Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr (BMV), die Herausforderungen der Antriebswende im Straßengüterverkehr in den Vordergrund. Dies sei ein wichtiger Baustein, um die CO₂-Emissionen in Zukunft weiter zu senken. Dabei handele es sich nicht nur um Klimaschutz: Es gehe auch darum, am Standort Deutschland Zukunftssicherheit zu schaffen. Laut Schnoor ist das BMV auf jeden Fall fest entschlossen, alle Stakeholder des Güterverkehrs zu unterstützen. Etwa durch die Verlängerung der Mautbefreiung für klimafreundliche Lkw – „das kommt 2025 so sicher wie das Amen in der Kirche“ – und auch durch den Masterplan Ladeinfrastruktur, der, so es die Haushaltslage zulasse, weitere Förderungen vorsehe. Der Staatsekretär zeigte sich zuversichtlich – die Branche und ihr Wille zur Antriebswende bringe die Antriebswende voran.
Wo steht die Elektromobilität?
Die Antriebswende und Klimazielen waren dann auch Thema des Programms, rund um den Schwerpunkt Nutzfahrzeug-Technologie wurde im Speziellen über die Elektromobilität diskutiert. Denn mittlerweile befindet sich der Hochlauf der Ladeinfrastruktur in vollem Gange, wichtige schwere Elektro-Lkw stehen zur Verfügung. Das umfassende Angebot der Fahrzeughersteller hoben Iveco, Daimler Truck und MAN noch einmal hervor. Die Erkenntnis auch: Der Straßengüterverkehr muss insgesamt emissionsärmer werden. Laut Dr. Egon Christ, Leiter Unternehmensstrategie bei der Mosolf Gruppe, stellen BEV, aber auch HVO 100 derzeit die Alternativen zum Diesel dar. Der H2-Verbrenner-Motor befinde sich noch in der Entwicklung, der Fokus muss daher erstmal auf BEV-Lkw liegen. „In den 20er Jahren wird das Thema Wasserstoff-Lkw keine große Rolle mehr spielen“ sagte Christ.
NCAP Safer Trucks Programm setzt Maßstäbe
Nicht nur der Antrieb, auch Sicherheit und Automatisierung sind wichtige Themen. Das neue Euro NCAP Safer Trucks Programm rückt das Thema Sicherheit in der Öffentlichkeit wieder in den Fokus. Grundsätzlich sollen die neuen Bestimmungen die Hersteller anregen, die Lkw über das gesetzliche Mindestmaß an Sicherheitsbestimmungen hinaus auszustatten. Laut Marko Eisermann, Testingenieur NFZ-Projekte beim Dekra Automobil Test Center Klettwitz, und Marc Schilhaneck, Sales Manager E-Mobility and ADAS/AD bei Dekra Automobil, hat sich seit der Einführung der Euro NCAP-Sterne-Bewertungen in der Branche gerade einiges in Sachen Sicherheit getan. „Wir wollen die Hersteller ermutigen, die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen zu übertreffen“, sagte auch Matthew Avery, Director of Stategic Development beim European New Car Assessment Program (NCAP).
Nicht nur die Nutzfahrzeughersteller haben eine breite Palette an Aufgaben – auch die Beteiligten der Letzten Meile sehen sich in einem Spannungsfeld. Unternehmen, die in den Innenstädten aktiv sind, müssen sich mit individuellen Kundenanforderungen, strengen Klimaschutzvorgaben und der Verbesserung der Kosteneffizienz beschäftigen.
Die Letzte Meile unter Druck – wegen zu viel Bürokratie
2024 transportierten die KEP-Dienstleister rund vier Milliarden Sendungen – ein Anstieg von 2,8 Prozent im Vergleich zu 2023. „Wir werden als diejenigen wahrgenommen, bei denen es noch läuft“, sagte Marten Bosselmann, Vorsitzender des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik (BPEX), in der Logistik-Session. Dabei sei die aktuelle Lage der Paketbranche alles andere als rosig. „Wir bemerken ein hohes Maß an Stagnation“, sagte Bosselmann. Er beklagte die „Weiter so“-Mentalität der Politik und zu viel Bürokratie: „Irgendwann ist das Maß voll.“
Auch DHL will die Letzte Meile nachhaltiger machen. Bis 2030 sollen 80 bis 90 Prozent der Zustellfahrzeuge elektrisch sein. „Nachhaltigkeit ist schon immer wichtig für uns und seit diesem Jahr auch Bestandteil der Konzernstrategie“, sagte Dr. Sebastian Kempf, Abteilungsleiter Fuhrparkmanagement & GoGreen Post & Paket Deutschland bei DHL.
Wie reagieren Unternehmer auf die Herausforderungen?
Um alternative Antriebe ging es auch in der Session „Executive Outlook in der Logistik“. Mit einem Blick in die Glaskugel hatten die Vorträge führender Unternehmer wenig zu tun, sondern vielmehr mit Akzeptanz der aktuellen Situation und den daraus resultierenden Chancen. „Wir haben zum ersten Mal die Chance, unseren Energiepreis selbst zu bestimmen“, sagte Joachim Fehrenkötter, Geschäftsführer bei Fehrenkötter Transport & Logistik, zum Thema selbsterzeugter Strom und den Handel damit.
Alternative Antriebsformen sind für Sascha Hähnke, Geschäftsführer bei dem Entsorgungsunternehmen Remondis Sustainable Services aus Lünen, „keine Glaubensfrage, sondern alternativlos“ – und für die Transformation im Straßengüterverkehr unverzichtbar. Remondis setzt auf alle Alternativen und bezeichnet sich als Technologie-neutral. Alternativen zur Elektromobilität bleiben laut Hähnke relevant: „Die Elektrifizierung stößt an Grenzen.“
SUMS als Herausforderung im Rahmen der Digitalisierung
Auch zum Thema Digitalisierung gab es in dem gleichlautenden Session-Strang dringenden Gesprächsbedarf. Denn hinter dem unscheinbar anmutenden Kürzel „SUMS“ verbirgt sich die Regulatorik fürs Software Update Management System. Und die hat es in sich. OEM und Zulieferer müssen schon im kommenden Jahr die Integrität ihrer Software-Updates sicherstellen. Das wichtige Ziel: Fahrzeuge vor Cyberangriffen schützen.
Des Weiteren war und ist Künstliche Intelligenz in aller Munde. Doch inwiefern ist KI tatsächlich schon der Gamechanger in der Logistik? Denn auch, wenn die Technologie im Erkennen von Mustern von Massendaten spitze ist – gibt es doch auch Stolpersteine. „Im Moment ist noch nicht klar, wie die KI Bullshit von wissenschaftlich fundierten Informationen unterscheidet“, erklärte etwa Couplink-Aufsichtsrat Peter Bickel.