Emissionsfreie Lkw müssen rentabel sein
16. Dez. 2025NewsletterEmissionsfreie Lkw werden in der Logistikbranche diskutiert. Mittelfristig planen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen den Einsatz von Nullemissionsfahrzeugen, doch nur wenn sie betriebswirtschaftlich rentabel sind. Das zeigt eine Marktbefragung des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik und der Deutschen Energie-Agentur (Dena).
Mautbefreiung als stärkster Investitionsanreiz
Laut Umfrage beabsichtigen 54 Prozent der Unternehmen, innerhalb der kommenden sieben Jahre in emissionsfreie Lkw zu investieren, überwiegend in batterieelektrische Fahrzeuge. Während 2024 noch strategische Aspekte wie Marktpositionierung oder gesellschaftliche Verantwortung dominierten, stehen inzwischen klar wirtschaftliche Faktoren im Vordergrund. Als stärkster Investitionsanreiz gilt die Befreiung emissionsfreier Nutzfahrzeuge von der Lkw-Maut. Sie erreicht mit 2,3 von 3 möglichen Punkten den höchsten Zustimmungswert und liegt deutlich vor Kundenerwartungen, Imageaspekten oder CSR-Zielen.
Hohe Kosten und Infrastruktur bremsen Investitionen
Auf der anderen Seite bleiben die bekannten Hürden bestehen. Zu hohe Anschaffungskosten für Fahrzeuge, eine unzureichende Lade- und Tankinfrastruktur sowie fehlende oder als unzureichend empfundene Förderprogramme hemmen die Investitionsbereitschaft. Besonders die Infrastruktur stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen: Zwar verfügen bereits 38 Prozent der Befragten über eigene Ladeeinrichtungen, doch hohe Investitionskosten, begrenzte Netzkapazitäten und lange Genehmigungszeiten bremsen den Ausbau. Im Durchschnitt planen die Unternehmen, rund 70 Prozent ihres Ladebedarfs über eigene Depotinfrastruktur zu decken. Als wirtschaftlich akzeptabel gelten dabei Strompreise von etwa 28 Cent pro Kilowattstunde beim Depotladen und 35 Cent an öffentlichen Ladepunkten.
Förderprogramme: bekannt, aber nicht ausreichend
Nur rund ein Drittel der befragten Unternehmen hat bislang staatliche Förderungen für emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge beantragt, dann allerdings mit einer hohen Erfolgsquote von etwa 85 Prozent. Weitere 32 Prozent verzichteten bewusst auf Anträge, da sie die Förderung als nicht ausreichend bewerteten. Ein weiteres Drittel hat sich nach eigenen Angaben noch nicht näher mit Fördermöglichkeiten befasst.
Übergangslösungen mit alternativen Kraftstoffen
Parallel zur schrittweisen Elektrifizierung setzen viele Unternehmen auf kurzfristige Dekarbonisierung ihrer Bestandsflotten. Mehr als die Hälfte der Befragten plant, verstärkt auf den Kraftstoff HVO100 zu setzen. Fahrzeuge mit Bio-CNG- oder Bio-LNG-Antrieb spielen dagegen kaum noch eine Rolle: Seit dem Wegfall der Mautbefreiung im Jahr 2024 wollen nur noch sechs Prozent der Unternehmen in diese Antriebsformen investieren.
Branche fordert verlässliche Rahmenbedingungen
Für den DSLV bestätigt die Umfrage einen klaren Trend: Investitionen in Klimaschutz folgen betriebswirtschaftlichen Kriterien. DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster betont, dass Planungssicherheit entscheidend sei. Die Verlängerung der Mautbefreiung für emissionsfreie Fahrzeuge bis Mitte 2031 schaffe hier eine wichtige Grundlage. Auch der Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 setze beim Depotladen die richtigen Signale. Entscheidend seien nun wirksame Förderprogramme sowie verlässliche Strompreise und Netzanschlüsse.