Ford Transit Custom Sport im Test

14. Aug. 2018
Mit dem Facelift ist Ford dem Trend gefolgt und hat dem Transit Custom eine mächtige Schippe vom aktuellen SUV-Design des Hauses verpasst. Großer Kühlergrill um das Ford-Oval und angriffslustige Lufteinlässe darunter. Da trifft es sich also umso besser, dass der Testwagen rein optisch noch einen draufsetzt. Auf den ersten Blick gibt sich der Transit Custom Sport an den 18-Zoll-Leichtmetallrädern, speziellen Front- und Heckschürzen und Seitenschwellern sowie den mattschwarz abgesetzten GT-Streifen, im englischen Sprachgebrauch auch Go-faster-Stripes (Fahr-schneller-Streifen) genannt, auf edlem "Chrome Blue Metallic" zu erkennen. In Großbritannien sieht Ford tatsächlich auch großes Absatzpotenzial für die Ausstattung, beispielsweise für den "schnellsten Klempner in Essex".
Torque Vectoring verteilt die Kraft zwischen den Vorderrädern
Im Innenraum kommen beim Sport noch einmal komfortablere Sitze mit Teillederbezügen hinzu. Im Vergleich zur schon anständig bestückten Trend-Ausstattung bei ähnlicher Tonnage schlägt das Häkchen bei Sport mit gut 4.000 Euro zusätzlich zu Buche. Wer nicht gleichzeitig Käufer und Fahrer des Wagens ist, wird sich den Aufpreis also eher sparen. Es stellt sich auch die Frage, wie oft das neue optionale Xenon-Licht bestellt wird. Mit 900 Euro Aufpreis ist es trotz dynamischen Kurvenlichts und LED-Ringen als Tagfahrlicht kein absolutes Schnäppchen. Dazu kommt, dass kaputte Xenon-Brenner deutlich teurer sind als Halogenbirnen. Wer sich den Luxus leistet, kann sich aber tatsächlich bei Nacht über eine hervorragende Ausleuchtung freuen. Leider spendiert Ford dem Sport weder mehr Leistung noch ein Sportfahrwerk.
Immerhin ist der Wagen ausschließlich mit dem schon recht potenten 170-PS-Diesel samt bulligen 405 Nm Drehmoment erhältlich, also ausreichend flott unterwegs. Obwohl sich an den Motoren eigentlich nichts getan hat, gibt sich der Custom deutlich genügsamer als beim letzten Test des Triebwerks im Pkw-Bruder Tourneo. Mit 6,6 Liter Diesel auf der Verbrauchsrunde verfehlt er die Werksangabe nur um 0,2 Liter – und das trotz der breiten Winterreifen, dafür aber scheinbar im perfekten Temperaturfenster. Über die gesamte Testdauer genehmigt sich der Custom immer noch ordentliche 8,5 Liter. Bei der Fahrdynamik profitiert der Ford von der insgesamt guten Arbeit der Fahrwerksingenieure. An der sehr satten Straßenlage haben natürlich auch die Räder in der Dimension 235/50 R18 ihren Anteil. Auf der Fahrt über die Schwäbische Alb zeigt sich dies eindrücklich, vor allem wenn in Serpentinen das Torque Vectoring seine Vorteile ausspielt, die Kraft also intelligent zwischen den beiden Vorderrädern verteilt.
Anstatt also gegen Untersteuern das kurveninnere Hinterrad zu bremsen, verlagert die Elektronik die Kraft aufs äußere Vorderrad. Beides induziert einen Drehimpuls in die Kurve hinein. Letzteres erhält dabei aber die Dynamik, anstatt den Anker zu werfen. So kommt unterwegs kurz das Gefühl auf, dass das sonst so vehement einschreitende Ford-ESP gar nicht an Bord ist. Stattdessen lässt das System sogar ein klein wenig Schlupf zu. Bisher war das vor allem beim Anfahren der Fall, gefolgt von einem unbarmherzigen elektronischen Anker. In lang gezogenen schnell gefahrenen Kurven meldet sich das ESP dagegen wieder spürbar zurück. Dann wird dem Fahrer auch schnell wieder bewusst, dass sich hinter dem Pkw-Lenkrad ein Nutzfahrzeug mit maximal 2,9 Tonnen Gesamtgewicht verbirgt. Spätestens mit dem jüngsten Facelift ist Ford beim Custom nämlich im Innenraum bei genau dieser Optik angekommen.
Die Materialien wirken insgesamt hochwertiger, das Design folgt der Pkw-Linie. Dazu gehört auch das tabletartig abgesetzte Display des Sync-3-Multimediasystems. Die Neuauflage ist ein wahrer Segen und ersetzt endlich das fummelige Mäusekino durch eine zeitgemäße verständliche Bedienlogik. Doch auch das neue System ist nicht ohne Fehl und Tadel. So wirkt die Grafik teilweise etwas provisorisch und nicht sehr edel. Die Optik auf den Displays bei VW oder Daimler ist wesentlich stimmiger und eleganter. Hier wirkte wiederum das alte Ford-System eher aus einem Guss. Allerdings gleichen all die funktionellen Vorteile der neuen Generation die optischen Schwächen locker aus. Was sich indes nicht geändert hat, auch weil es sich beim neuen Custom bekanntlich nur um ein ausgiebiges Facelift und nicht um eine komplette Neuentwicklung handelt, ist das großzügige Platzangebot in der ersten Reihe. Dazu kommen viele durchdachte Ablagen, sowohl im sichtbaren Bereich als auch unter der Beifahrersitzbank. In diesem Kapitel hat Ford beim Facelift sogar noch nachgelegt. Fazit: Modellpflege geglückt. Der Custom bleibt ein komfortables Nutztier.