Hyperloop verbindet Mega-Regionen

18 Sep 2018
hyperloop, wagen
Die projektilartigen Wagen kommen auf bis zu 1.200 km/h. Foto: Virgin Hyperloop One

Erste Strecken des Hyperloop-Systems kommen. Noch laufen die Vorarbeiten, doch das Ziel von Virgin Hyperloop One (ehemals Hyperloop Transportation Technologies) ist fest umrissen: Mitte der 2020er-Jahre soll die neuartige und revolutionär anmutende Lösung die Stadtzentren der beiden indischen Orte Vijaywada und Amaravati miteinander verbinden. Mit dem Auto dauert es nach Angaben von Hyperloop rund eine Stunde, die etwa 43 Kilometer zurückzulegen. Mit den bis zu 1.200 km/h schnellen projektilartigen Wagen wären die Städte nur einen kurzen Augenblick voneinander entfernt.

Tatsächlich nur durch die Küche voneinander getrennt sind bei Hyperloop indes das Entwicklungs- und das Testzentrum. „Eines unserer wichtigsten Design-Prinzipien ist die schnelle Iteration, die Entwicklung und Prüfung von Komponenten im frühen Entwurfsprozess, um zu verstehen, wie Materialien in der Praxis funktionieren“, erklärt Josh Giegel, Co-Gründer und CTO von Virgin Hyperloop One.

Techniker überprüfen umgehend die neu entworfenen Komponenten

Nachdem die Konstrukteure die Komponenten auf dem Bildschirm entworfen haben, nehmen die Schweißer und Techniker das Ganze in die Hand – und sorgen laut Giegel dafür, dass es so funktioniert, wie es die Entwickler in ihren Modellen vorhergesagt haben. „Dieses Prinzip der schnellen Entwicklung, Konstruktion, Prüfung und Neugestaltung ist der Schlüssel zur schnellen Entwicklung von Teilen und zum Lernen aus früheren Fehlern“, erklärt Giegel.

Ein Prozess, der Teil des Systems bleibt. Denn die Lösung, wie sie das Unternehmen in Indien entwickelt, werde sich auf jeden Fall von einer im Mittleren Osten oder im amerikanischen mittleren Westen oder auch in Texas unterscheiden. Das sei zum Teil in der Topografie begründet – aber auch vom regulatorischen Umfeld abhängig. Beides wiederum sowie auch die Größe des jeweiligen Projekts haben Einfluss auf die Kosten. Dementsprechend vorsichtig sind die Verantwortlichen auch, wenn es um das Thema Total Costs of Ownership (TCO) geht. Dazu will man bei Hyperloop lieber keine Angaben machen. Zu erfahren ist lediglich so viel: Es handelt sich sicherlich um eine Großinvestition, die nach dem P3-Modell – also Public-Private-Partnerships – finanziert wird.

Fürs Geld soll dann aber auch einiges geboten sein: „Unser Hyperloop wird die Geschwindigkeit eines Flugzeugs, die Kapazität einer Schiene und den Komfort öffentlicher Verkehrsmittel haben“, heißt es dazu vollmundig aus der Unternehmenszentrale in Los Angeles. Die Buchung erfolgt „on-demand“. Das heißt, mehrere sogenannte Pods werden pro Minute an einer gegebenen Station erscheinen, um Passagiere aufzunehmen, so dass eine Person niemals wirklich zu lange auf sich warten lässt oder sich um Fahrpläne kümmern muss. Wobei es laut Hersteller grundsätzlich egal ist, ob die Wagen Menschen oder Waren befördern. Ein elektrischer Antrieb beschleunigt die Einheiten zunächst in der Unterdruckröhre. Über eine Magnetschwebetechnik hebt das Vehikel schnell ab und gleitet dann mit hoher Geschwindigkeit ans Ziel. Das Hyperloop-System arbeitet dabei vollständig autonom und in sich geschlossen – entweder auf Stelzen oder im Untergrund.

In den Untergrund will beispielsweise das Projekt Cargo Sous Terrain (Französisch für: „Fracht unter der Erde“). Zu den Hauptaktionären der Aktiengesellschaft mit Sitz in Basel gehören die Schweizer Post, Swisscom, SBB Cargo, die Händler Coop und Migros sowie der Berner Energiekonzern BKW und der Versicherer Mobiliar. Und im Verwaltungsrat sitzt wiederum kein Geringerer als Hyperloop.

Ukraine ist in Europa der Vorreiter

Ob und wenn ja, wo das erste Hyperloop-Projekt in Europa, darüber hüllen sich die Verantwortlichen bei Hyperloop allerdings in Schweigen. „Wir prüfen derzeit die Möglichkeit in Form von Machbarkeitsstudien in mehreren europäischen Ländern“, heißt es dazu auf Anfrage.

Zumindest aber ist bekannt, dass das Unternehmen Mitte dieses Jahres im Rahmen der sogenannten nationalen Verkehrsstrategie 2030 der Ukraine einen Vertrag unterschrieben hat. Dort geht es um den Bau eines kommerziellen Hyperloop-Systems. In einem ersten Schritt geht es dort um eine zehn Kilometer lange Teststrecke. Danach soll die Strecke beziehungsweise das Netzwerk in einem zweiten Schritt weiter ausgedehnt werden. Das Projekt soll dazu nach Abschluss der ersten Phase als öffentlich-private Partnerschaft finanziert werden. „Die Ukraine befindet sich an der Kreuzung des neuen Verkehrskorridors der Seidenstraße und wir können davon ausgehen, dass Hyperloop eine wichtige Rolle bei der Verbindung von Europa und Asien spielen wird“, hatte der Hyperloop-Vorstandsvorsitzende Bibop Gresta bei der Vertragsunterzeichnung zu Protokoll gegeben. Apropos Asien: In China hat Hyperloop eine Tochtergesellschaft gegründet. In der Stadt Tongren in der Provinz Guizhou beginnen nun die Arbeiten an einem ebenfalls zehn Kilometer langen Tunnel für den gewerblichen Transport von Gütern.

Hyperloop ist dabei für das Bereitstellen der Technologie verantwortlich. Der dortige Vertragspartner, die Tongren Transportation & Tourism Investment Group, ist für die Zertifizierung, den gesetzlichen Rahmen und den Aufbau des Systems verantwortlich. Die Finanzierung erfolgt über eine öffentlich-private Partnerschaft, wobei die Hälfte der Mittel direkt aus Tongren stammt. „China ist weltweit führend in der Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsbahnen und jetzt suchen sie nach einer effizienteren Hochgeschwindigkeitslösung im Hyperloop“, erklärte Gresta bereits beim Bekanntwerden der Pläne.

In China wird das Bauverfahren verfeinert

Die einzigartige Topographie von Tongren ermögliche es zudem, „unsere verschiedenen Bauverfahren zu verfeinern“. Sicher ist auch, dass der Standort, auch wenn er hierzulande unbekannt ist, den Status einer Metropole durchaus verdient: Guizhou ist eine Provinz im Südwesten Chinas, in der mehr als 35 Millionen Menschen leben. Der Standort ist ein wichtiger Teil der chinesischen Initiative Wirtschaftsgürtel Seidenstraßen. Mehr als 100 Milliarden US-Dollar (etwa 86 Milliarden Euro) wurden dort in den vergangenen fünf Jahren in die Infrastruktur investiert. Als Folge daraus wurden 69 Autobahnprojekte realisiert sowie insgesamt mehr als 5.700 Kilometer an Straßen gebaut. Die Hyperloop-Strecke ist schlussendlich der nächste Schritt in Sachen Mobilität.

Das Unternehmen

  • Das US-amerikanische Unternehmen Virgin Hyperloop One (ehemals Hyperloop Technologies) mit Sitz in Los Angeles gibt es seit 2014
  • Die Idee des Hochgeschwindigkeits-Transportsystems, bei sich Kapseln mit einer Geschwindigkeit bis zu 1.200 km/h schnell fortbewegen in einer Unterdruckröhre bewegen, stammt ursprünglich von Tesla-Chef Elon Musk
  • Hyperloop beteiligt sich am Schweizer Projekt Cargo Sous Terrain und hält dort einen Sitz im Verwaltungsrat
  • Hyperloop hat mehrere internationale Berater: die Beratungssparte DB Engineering and Consulting der Deutschen Bahn, das Schweizer Tunnelbau-Unternehmen Amberg Group, das britische Ingenieursbüro Arup und das französische Ingenieursbüro Systra, ein Joint Venture der französischen Bahn SNCF und des Pariser ÖPNV-Betreibers RATP