Luftfracht-Kartell: Deutsche Bahn will Milliarden als Schadensersatz
Die Deutsche Bahn hat vor dem Landgericht Köln Schadensersatzansprüche in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro gegen ein Luftfrachtkartell unter Beteiligung der Deutschen Lufthansa geltend gemacht. Hinzu kämen aufgelaufene Zinsen in Höhe von etwa 560 Millionen Euro, sagte Christopher Rother, Leiter der Kartellrechtsabteilung der Deutschen Bahn. An dem 2006 aufgedeckten weltweiten Kartell waren insgesamt mehr als 20 Fluglinien beteiligt. Sie hatten von 1999 bis 2006 Kerosin- und Sicherheitszuschläge abgesprochen, so dass von den Spediteuren, und damit der Bahn-Tochter DB Schenker, jahrelang zu hohe Cargo-Preise verlangt wurden. Etwa zehn bis 20 Prozent der Schadenssumme entfielen auf die Lufthansa, sagte Rother.
Bei dem Luftfrachtkartell handelt es sich Rother zufolge um eines der größten Kartelle in der Wirtschaftsgeschichte. DB Schenker sei davon als weltweit zweitgrößter Luftfrachtspediteur betroffen gewesen. Die Lufthansa hatte bisher von der Kronzeugenregelung profitiert und war straffrei ausgegangen. Die Fluggesellschaften seien bislang nicht zu einer außergerichtlichen Einigung bereit gewesen und hätten seit Jahren sämtliche Gesprächsangebote der DB abgelehnt, sagte Rother. Jetzt gehe man den Klageweg, damit die Ansprüche nicht verjährten. Da das Verschulden der Fluggesellschaften zweifelsfrei feststehe, gehe es nicht um die Frage ob, sondern wann sich die Linien ihrer Verantwortung stellen. Der Verhandlungsweg stehe weiter offen.
Die Europäische Kommission hatte im gleichen Fall bereits im November 2010 Geldbußen von insgesamt rund 800 Millionen Euro verhängt. In den USA, Australien, Brasilien, Kanada, Neuseeland, Südafrika und Südkorea sei es zu Verurteilungen und Geldbußen in Höhe von insgesamt etwa 1,5 Milliarden Euro gekommen. Neben der Klage in Deutschland geht die DB auch in den USA gerichtlich gegen mehrere Fluggesellschaften vor. Die Ansprüche des Unternehmens belaufen sich den Angaben zufolge weltweit auf rund 2,1 Milliarden Euro.