Merkel: Verbrennungsmotoren werden noch Jahrzehnte gebraucht

15 Sep 2017
Merkel eröffnet IAA 2017.
Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet die 67. IAA in Frankfurt. Foto: VDA

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Lanze für den Verbrennungsmotor gebrochen. Es führe kein Weg daran vorbei, dass effiziente und sparsame Verbrennungsmotoren „noch auf Jahrzehnte hinaus“ gebraucht würden, sagte sie bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt. Andererseits müsse mehr denn je in die Forschung und die Entwicklung neuer Antriebstechnologien investiert werden. Mit dieser „Doppelstrategie“ werde dem Schutz der Umwelt genauso gedient wie dem Automobilstandort Deutschland. Außerdem könnten so Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhindert werden, erhofft sich die Kanzlerin.

Merkel steht mit ihrem Plädoyer für den Verbrenner im Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich, die Diesel- und Benzinfahrzeuge ab 2040 verbieten wollen. Der Autobranche warf sie vor, „Regelungslücken exzessiv ausgenutzt“ zu haben. „Sie haben damit nicht nur sich selbst Schaden zugefügt, sondern vor allem Verbraucher und Behörden getäuscht und enttäuscht“, sagte sie. Jetzt müsse die Industrie alles daran setzen, Glaubwürdigkeit und Vertrauen so schnell wie möglich zurückzugewinnen.

Frühere Betrugsvorwürfe wiederholte die Kanzlerin nicht, betonte aber die außerordentliche Bedeutung der Automobilindustrie mit mehr als 870.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von weit über 400 Milliarden Euro für die deutsche Volkswirtschaft. „Wir wissen, was unser Land an Ihrer Branche hat“, sagte sie an die Unternehmen gerichtet. Was die Verbesserung der Luftqualität angehe, seien nicht nur deutsche Hersteller verantwortlich und müssten zügig die zugesagten Software-Updates aufspielen. Ein Fünftel am Gesamtbestand der Diesel-Pkw stamme von ausländischen Unternehmen, die auch einen substanziellen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten müssten.

Es sei nötig, die Weichen dafür zu stellen, dass der deutschen Automobilindustrie und ihren Zulieferern die Entwicklung hin zu einem modernen, emissionsfreien Verkehrssystem gelinge, forderte Merkel. „Die Motoren sind zwar immer effizienter geworden, aber der Effizienzfortschritt wird zum Teil durch den Zuwachs von Verkehr und auch durch größere Fahrzeuge nahezu ausgeglichen.“ Deshalb müsse bei den Antriebstechnologien der richtige innovative Schwerpunkt gesetzt werden.

Merkel wertete es als positiv, dass im Bereich Elektromobilität und Hybridantrieb weltweit rund jedes dritte Patent aus Deutschland stamme. „Das lässt auf weiter wachsende Marktanteile deutscher Hersteller hoffen.“ Die Bundesregierung wolle diese Entwicklung ausdrücklich unterstützen und gehe – mit einem besonderen Augenmerk auf die Elektromobilität – technologieoffen an die Dinge heran. „Wir wollen, dass Deutschlands Automobilindustrie auch in 10 oder 15 Jahren innovativ und stark ist“, unterstrich Merkel.