Metzger Spedition elektrifiziert ihre Flotte
10. Dez. 2025Newsletter / Transport & VerkehrDas Familienunternehmen Metzger Spedition mit Sitz in Neu-Kupfer im Norden Baden-Württembergs produziert seit über 20 Jahren selbst Strom. Auf dem Hallendach befinden sich PV-Module, die mehr Energie erzeugen, als Metzger verbraucht. So kam 2019 schließlich die Idee auf, mit dem selbst produzierten Strom auch Fahrzeuge zu betanken.
Im Juni 2021 rollte der erste E-Lkw auf den Speditionshof, ein eTGM des Münchener Herstellers MAN Truck & Bus. „Das war genau der richtige Schritt für uns“, sagt CEO Johannes Metzger im Gespräch mit der Fachzeitung trans aktuell. Inzwischen sind die Fahrzeuge überall im Einsatz, weit über Touren in der regionalen Sammel- und Stückgutlogistik hinaus. Zudem wurden erste Ladesäulen installiert. Operative Engpässe habe es während der Testphase zwar gegeben, grundsätzlich konnten die Fahrzeuge aber überzeugen.
Bis 2030 rund 50 Prozent der Flotte elektrisch betreiben
Aktuell sind drei elektrische Volvo im Einsatz, die herkömmliche Industrie- und Handelsware transportieren. Ende Februar 2026 kommt der erste eTGX von MAN als Lowliner hinzu. Das passt zur Unternehmensphilosophie „Charge the Future“. 2030 will Metzger rund 50 Prozent der Flotte, die aus rund 30 Fahrzeugen besteht, elektrisch betreiben.
E-Fahrzeuge könnten mit Diesel-Fahrzeugen auch aus wirtschaftlicher Sicht mithalten. Bislang rund 250.000 elektrisch gefahrene Kilometer bei fast jedem Streckenprofil überzeugen den CEO, der den elterlichen Betrieb seit 2015 führt.
Vier Schnellladesäulen mit bis zu 400 kW Kapazität
Die E-Lkw laden an vier Schnellladesäulen mit bis zu 400 kW Kapazität, drei davon sind öffentlich. Sie befinden sich direkt an den Laderampen, damit die Prozess- und Ladezeiten so effizient wie möglich in den Tagesablauf integriert werden können. Die Fahrer sind laut Metzger sehr zufrieden mit den E-Fahrzeugen und ziehen sie Verbrennern vor. Aus dem Ladevorgang hat die Metzger Spedition ein Geschäftsmodell entwickelt. Externe Kunden können per EC- oder Kreditkarte Strom tanken.
Eigene Stromspeicher geplant
Perspektivisch plant das Unternehmen eigene Stromspeicher. „Wir produzieren viel und ausreichend Strom, den wir heute noch einspeisen, künftig jedoch mit dem Hochlauf der Elektromobilität vertanken werden.“ Mit steigenden Tankungen werde die Ladeinfrastruktur am Standort zum Engpass. Darum nimmt Metzger an einem Forschungsprojekt des Digital Hub Mobility vom Münchener Innovationszentrums UnternehmerTUM teil, das zur Technischen Universität München gehört. Dabei entsteht ein offenes, interoperables Ladesystems für Elektro-Lkw, also ein betreiberübergreifendes Reservierungssystem, das öffentliche Ladenetzwerke und private Depots in einer einzigen Plattform verbindet.