Postmarkt im Visier der Monopolkommission

15. Dez. 2025Newsletter
Die Monopolkommission hat den deutschen Brief- und Paketmarkt genau unter die Lupe genommen. Im aktuell veröffentlichen 14. Sektorgutachten der Monopolkommission legt die Kommission strukturelle Wettbewerbsprobleme offen und warnt vor einer weiteren Verschärfung der Marktverzerrungen. Konkret geht es um Verzerrungen zugunsten der Deutschen Post-Mutter DHL Group. Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX), Interessenvertretung der KEP-Branche, begrüßt die Analyse und fordert tiefgreifende politische Konsequenzen.
Monopolkommission warnt vor „Wettbewerb am Abgrund“
Besonders kritisch sieht die Monopolkommission die derzeit in der Bundesregierung diskutierte, exklusive Umsatzsteuerbefreiung für Geschäftskundenbriefe der Deutschen Post. Diese würde Behörden, Banken und Versicherer - zentrale Kundengruppen - unmittelbar betreffen. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, formuliert es deutlich: „Eine exklusive Umsatzsteuerbefreiung für Geschäftskundenbriefe der Deutschen Post würde wahrscheinlich das Ende der meisten Wettbewerber besiegeln.“ Denn rund 60 Prozent der Geschäftskundenbriefe, die heute von Wettbewerbern transportiert werden, stammen aus eben diesen nicht vorsteuerabzugsberechtigten Branchen. Die Folge wäre eine massive Marktverzerrung, mit unausweichlichen Ausstiegswellen wie in Dänemark, wo der ehemalige Staatsmonopolist PostNord sein Briefgeschäft 2026 einstellt.
BPEX: „DHL Group profitiert weiter von staatlichen Privilegien“
Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik sieht sich durch die Analyse bestätigt. Der Vorsitzende Marten Bosselmann hebt hervor: „Die Monopolkommission zeigt erneut klar auf, dass die DHL Group weiterhin von staatlichen Privilegien profitiert – auch nach der Postrechtsreform 2024. Diese einseitigen Vorteile bremsen den Wettbewerb und schaden am Ende den Kunden.“ Der Verband fordert ausdrücklich, Steuerprivilegien zurückzufahren. Zudem sieht er die Gefahr, dass überhöhte Brief- und Paketporti indirekt eingesetzt werden könnten, um den Wettbewerb im Paketmarkt auszuhebeln.
Portoberechnung mit Ferrari und L’Oréal? Kritik an BNetzA
Für zusätzliche Irritation sorgt eine Passage des Gutachtens, die inzwischen für Diskussionen sorgt: Die Bundesnetzagentur (BNetzA) berechnet den Gewinnzuschlag für Briefmarken anhand von Vergleichsunternehmen – darunter Ferrari, Adidas oder L’Oréal.
Der BPEX hält diese Methodik für praxisfern: „Dass Briefporti an außergewöhnlich hohen Umsatzrenditen europäischer Aktiengesellschaften orientiert werden, ist weder marktüblich noch nachvollziehbar.“ Das Gutachten mahnt, dass dies die Verbraucher unnötig belastet und zugleich der DHL Group zusätzliche Spielräume zur Quersubventionierung zwischen Brief- und Paketmarkt verschafft.
Wettbewerb im Briefmarkt bröckelt – Gefahr auch für Pakete
Die Monopolkommission weist darauf hin, dass Wettbewerber im Briefmarkt nur noch rund 15 Prozent Marktanteil halten, im Privatkundensegment sogar unter fünf Prozent. Duso warnt: „Ein Zusammenbruch großer Teile des Wettbewerbs im Briefbereich würde die Marktmacht der DHL Group im Paketmarkt weiter stärken.“ Für die Paketbranche wäre das ein hochrelevanter Risikofaktor. Insbesondere, weil die DHL Group bei Privatkunden schon heute eine faktische marktbeherrschende Stellung innehat.
Auch zur postalischen Grundversorgung äußert sich das Gutachten. Die seit 2024 teilweise gelockerten Vorgaben hält die Kommission nicht für ausreichend. Zentraler Vorschlag: Nur noch fünf statt sechs Zustelltage pro Woche. Das würde Kosten reduzieren und Porti stabilisieren und wäre nach EU-Recht zulässig.
Fazit: 2026 wird zum Schicksalsjahr für den Postmarkt
Das Sektorgutachten zeigt: Die Bundesregierung steht vor einer Grundsatzentscheidung. Wird die Marktregulierung modernisiert und fair gestaltet oder kippt der Wettbewerb endgültig zugunsten der DHL Group? Der Appell der Monopolkommission ist klar: Der Wettbewerb muss gestärkt werden, damit auch in Zukunft eine vielfältige, verlässliche Post- und Paketversorgung gewährleistet bleibt.
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