Ärger an der Rampe: So kann es effizienter laufen

25. Juni 2020
Wie lassen sich die Abläufe an der Rampe besser gestalten? Antworten darauf gab das trans aktuell-Web-Seminar „Schluss mit dem Ärger an der Rampe“. Das Web-Seminar zeigte auf, dass Effizienz an der Rampe gerade jetzt unabdingbar ist.
Als Experte aus der Praxis referierte IDS-Geschäftsführer Dr. Michael Bargl. Er wies darauf hin, dass die Prozesse an der Rampe für Berufskraftfahrer zu den größten Stressfaktoren zählen. Darunter fallen beispielsweise unvorhergesehene Wartezeiten beim Be- und Entladen. Damit nicht genug: „5.500 Zustellungen monatlich müssen aufgrund langer Wartezeiten im Stückgutverteilverkehr abgebrochen werden“, sagte Bargl. Denn: Die Wartezeiten betragen hier oft mehr als 30 Minuten. Dies betrifft bei IDS rund 200 Touren täglich, also rund fünf Prozent der Zustellungen. Die Folge: Es ist ein zweiter Zustellversuch notwendig, was auch die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigt.
Lange Wartezeiten
Besonders oft ist dies laut Bargl bei Baumärkten und im Lebensmitteleinzelhandel der Fall. „Im Schnitt beträgt die Wartezeit bei IDS an diesen Rampen 25 Minuten“, führte der Geschäftsführer aus. Schon bei zwei Prozent der Sendungen haben 25 Minuten Wartezeit erhebliche Auswirkungen. „Das heißt, es werden dann 1,5 Stopps in den betroffenen Regionen nicht geschafft. Dies bedeutet einen Produktivitätsverlust von etwa zehn Prozent.“
Um die Situation an den Rampen zu verbessern, verfolgt die Kooperation mehrere Ansätze. So setzt IDS etwa auf die automatisierte Erkennung von B2B-Avisempfänger durch künstliche Intelligenz. Darüber hinaus hält Bargl eine aufwandsgerechte Bepreisung für wichtig: Das heißt, eine zweite Zustellung sollte nach Ansicht des IDS-Chefs entweder abgerechnet oder stattdessen Standgeld in Rechnung gestellt werden. Ebenso sollten Empfänger mit längerer Standzeit höhere Preise bezahlen.
Fahrermangel beheben
Bargl wies darauf hin, dass der Fahrermangel, den er bundesweit auf 50.000 fehlende Fahrer taxiert, auch an der Rampe behoben werden kann. Um den Fahrermangel zu beseitigen, gelte es, die beschriebenen Mängel abzustellen.
Ähnlich verfährt Eckhard Bergmann, Leiter des Geschäftsbereichs Supply Chain bei der Papier Union aus Hamburg: „Bei unseren Rampenprozessen haben wir daher webbasierte Tools im Einsatz, die den Beteiligten deutliche Effizienzsteigerungen ermöglichen. Unsere Warenwirtschaft ist proaktiv informiert“, erklärte Bergmann. Das heißt, der Wareneingang der Papier Union kann Lieferscheine vorab einsehen und damit den Personaleinsatz für den Folgetag und die Rampenprozesse optimal vorbereiten. Im Gegenzug kann der Spediteur die Anlieferungen und Abholungen mehrere Tage im Vorfeld stundengenau reservieren und somit seine Betriebsprozesse optimieren.“
Eine gute Möglichkeit, die Situation an den Rampen zu verbessern, stellt nach Ansicht der Teilnehmer eine Lösung wie der Rampen-Guide des ETM Verlags dar, in dem auch die Fachzeitung trans aktuell erscheint. Spediteur Andreas Diez und Thorsten Gutmann aus dem ETM Verlag stellen die Lösung im Web-Seminar vor. Der RampenGuide soll Probleme an der Rampe lösen, die immer wieder vorkommen. Unter anderem: unvollständige Lieferpapiere, unklare Anfahrt oder Sprachbarrieren. Der Ansatz: Sammeln von Rampendaten wie etwa Öffnungszeiten und vieles mehr von Rampeninhabern, Fahrern und Disponenten. Anfang Juni waren bereits 800 Rampen im System. Die Rampeninhaber, Disponenten und Fahrer können dann beispielsweise via Back-End, Website oder die FERNFAHRER Truckstops App auf die Rampendaten zugreifen. Und: Fahrer können die Rampen über die FERNFAHRER Truckstops App bewerten.
Rampeninhaber, die den RampenGuide unterstützen möchten, können ihre Informationen und Fotos zur Anliefersituation bereitstellen. Eintragungen sind über etm.de/rampe-eintragen möglich. Indem Rampenbetreiber ihr Angebot für Fahrer erweitern, etwa in Sachen WC, Warteraum oder Getränkeautomat, können sie die Bewertungen durch die Fahrer verbessern.
Auch Bergmann zeigt sich von der Lösung angetan. „Der RampenGuide ist meines Erachtens eine sehr gute systemische Ergänzung unserer Prozesse“, sagt er – nicht zuletzt, da hier wichtige Informationen mehrsprachig zur Verfügung stehen. „Ich werde die Entwicklung und Integration des RampenGuides in der Branche weiterhin unterstützen.“
Das Symposium zum Thema findet am 26. August 2020 statt.