RWTH Aachen forscht zu nachhaltigem Batterie-Recycling
04. Feb. 2026NewsletterDer Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen arbeitet an neuen Ansätzen für ein umweltschonendes Batterie-Recycling. Im Projekt „Reclaim“ entwickeln die Forschenden Verfahren, mit denen Aktivmaterialien direkt aus der Batterieproduktion zurückgewonnen werden können. Ziel ist es, Ressourcen effizienter zu nutzen und den Einsatz von Primärrohstoffen deutlich zu reduzieren.
Delamination als Schlüssel zum direkten Recycling
Im Mittelpunkt steht das sogenannte direkte Recycling von Elektrodenbeschichtungen. Kernprozess ist die Delamination, bei der das Aktivmaterial von der Stromableiterfolie getrennt wird. Je nach Verfahren erfolgt dies thermisch, mechanisch oder nasschemisch. Die so gewonnenen Rohstoffe sollen anschließend ohne Umwege wieder in die Batteriezellproduktion einfließen.
Erprobung vom Technikum bis zur Pilotlinie
Die Projektpartner testen die Delaminationsprozesse im Technikums- und Pilotlinienmaßstab und untersuchen dabei verschiedene Materialsysteme. Nach Angaben der Fraunhofer-Forschungseinrichtung Batteriezelle FFB stehen unter anderem Aktivmaterialien wie LFP, NMC und Graphit sowie unterschiedliche Bindersysteme im Fokus. Die rückgewonnenen Materialien werden analysiert, gegebenenfalls aufbereitet und danach erneut in der Zellfertigung eingesetzt.
Technik, Wirtschaft und Umwelt im Vergleich
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die techno-ökonomisch-ökologische Bewertung der unterschiedlichen Prozessrouten. Untersucht wird, welche Verfahren technisch stabil, wirtschaftlich tragfähig und ökologisch sinnvoll sind – und für welche Materialkombinationen sich eine industrielle Umsetzung lohnt.
Hohe Einsparpotenziale bei Kosten und CO₂
Direktes Recycling verspricht nicht nur ökologische Vorteile. Im Vergleich zu konventionellen Recyclingmethoden sieht die Fraunhofer FFB Einsparpotenziale von bis zu 60 Prozent bei den Kosten und bis zu 80 Prozent bei den CO₂-Emissionen. Gleichzeitig soll das Projekt helfen, regionale Materialkreisläufe aufzubauen und die Abhängigkeit von importierten Rohstoffen zu verringern.
Breit aufgestelltes Konsortium bis 2027
Koordiniert wird „Reclaim“ von der Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB. Neben dem RWTH-Lehrstuhl PEM sind das „Münster Electrochemical Energy Technology“ (MEET) der Universität Münster sowie die Unternehmen Cylib und No Canary beteiligt. Otto Junker Solutions begleitet das Vorhaben als assoziierter Partner. Die Projektlaufzeit endet am 31. Dezember 2027.