Schwarz-Firmengruppe gründet Dilos

9 Aug 2018
Schwarz, IT
Mit Dilos ist Schwarz auch als IT-Dienstleister unterwegs. Foto: Schwarz, Montage: Haug

Die Schwarz-Firmengruppe aus Herbrechtingen gründet Dilos. Damit ist der Logistiker auch als IT-Dienstleister unterwegs.

Die meisten Speditionen funktionieren noch so, wie in der Vergangenheit: Dort läuft die Disposition auf dem Papier oder bestenfalls mittels Excel-Tabellen. Und im zweiten Fall dann möglichst viele davon, die noch untereinander verknüpft sind. „Transparenz über aktuelle Transporte oder gar logistische Prozesse lässt sich auf diesem Weg allerdings nicht herstellen“, sagt Thomas Schwarz, geschäftsführender Gesellschafter der Schwarz-Firmengruppe. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Günther Schwarz leitet er die Geschicke des mittelständischen Familienunternehmens mit Hauptsitz in Herbrechtingen.

Nicht erst seit gestern setzt der Logistiker dabei auf die Hilfe der IT. Neu ist allerdings, dass der Dienstleister das dort erworbene Know-how sowie natürlich auch die Informationen, die dank der eingesetzten Lösungen in transparenter Form vorliegen, nach außen vermarktet. Dazu hat Schwarz die Firma Digital Logistic Solutions, kurz Dilos, gegründet. Der sozusagen jüngste Spross der Schwarz-Firmengruppe hat mit Thomas Schwarz und Oliver Ocker gleich zwei IT-affine Geschäftsführer, die diese Idee vorantreiben.

Aus dem Tagesgeschäft heraus entstanden

Entstanden ist das Ganze aus dem Tagesgeschäft der Schwarz-Firmengruppe heraus. „Wir haben dort viel entwickelt und haben festgestellt, dass man nie an der eigenen Unternehmensgrenze aufhören kann“, berichtet Schwarz. Daher wurden nach und nach Kundensysteme angebunden. Dabei erwies sich die unternehmerische Entscheidung, innerhalb der eigenen Firmengruppe auf die SAP-Branchenlösung Best4Log-X von Arvato zu setzten, als goldrichtig. „Viele unserer Kunden haben ebenfalls SAP im Einsatz – allerdings eher auf die Produktion zugeschnitten und nicht auf die Logistik“, erklärt Schwarz. Dilos wiederum geht her, „konsolidiert alle vorhandenen Informationen im SAP-System und wertet diese dann aus“, sagt Ocker. Die Ergebnisse wiederum gibt es sauber aufbereitet im Online-Portal zu sehen. „Wenn gewünscht im gewohnten SAP-Stil“, erklärt Schwarz. Die einzelnen Module lassen sich aber selbstverständlich auch in jede Systemarchitektur einbinden.

Selbst wenn sich das recht trivial anhört, zeigt ein Blick in Praxis, dass die sogenannte Logistik 4.0 sonst meist eher ein Lippenbekenntnis ist. Bedeutet dieser nächste Entwicklungsschritt doch nicht nur Transparenz, sondern eben auch die Automatisierung von Prozessen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welcher Lkw welche Ladung übernehmen soll. „Alle 300 Fahrzeuge die wir täglich disponieren – also inklusive die der Subunternehmer – laufen über unser sogenanntes Solution Center“, berichtet Ocker. Das berechne alle fünf Minuten die optimale Disposition neu durch – unter Berücksichtigung der Lenk- und Ruhezeiten. „Das war auf diese Weise vorher noch nicht möglich“, erläutert Schwarz. Zum Einsatz kommen dafür sowohl SAP-Bordmittel als auch eigene Algorithmen. Beim nächsten Berechnungslauf ist somit bereits alles wieder Up-to-date.

Unvorhergesehenes dokumentieren und daraus lernen

Natürlich könne – aller Planung und Berechnung zum Trotz – immer etwas Unvorhergesehenes geschehen. Doch selbst an diesem Punkt haben die Dilos-Verantwortlichen vorgebaut. Läuft tatsächlich einmal etwas nicht wie vorgesehen, tritt das Qualitätsmanagement auf den Plan. Die Abweichungen werden automatisiert als Qualitätsmeldung erfasst und für den Kunden im Pareto-Verfahren ausgewertet. „Es sind bereits viele mögliche Störungen hinterlegt. Diese reichen vom Stau, Unfall, Panne – bis hin zur BAG-Kontrolle“, berichtet Ocker.

Ein weiteres Modul ist für die Prozesssteuerung und Dokumentation. Diese entsprechende App (für Android und Apple) hilft dabei Prozesse digital abzubilden. Wobei sich mit der mobilen Applikation noch viel mehr machen lässt. Von der Abfahrtskontrolle (inklusive Zustand der Sendung beim Verladen) bis hin zur Schadensdokumentation und der Führerscheinkontrolle reichen die Möglichkeiten. „Wir können jeden Kundenwunsch individuell digital abbilden, sodass der jeweilige Prozess nicht mehr in Papierform erfolgt“, berichtet Ocker. Selbst beim Nachweis eines Umschlagverbots ermögliche die App eine zweifelsfreie Dokumentation.

Entwickler an Bord

Um das alles zu bewerkstelligen, arbeiten sowohl eigene als auch Entwickler von Drittfirmen an der Lösung. „Solange es um Prozesse geht. Lösen wir das hausintern. Sobald es an Schnittstellen oder in die SAP-Programmierung geht, kommen unsere Partner zum Einsatz“, berichtet Ocker. Zum einen ist das natürlich Arvato Systems als einer der beiden Initiatoren der SAP-Branchenlösung Best4Log-X. Zum anderen sind das die SAP-Spezialisten von Serkem mit Sitz in Eging am See nahe Passau. In beiden Fällen kennen die Entwickler die Logistikbranche, „sodass diese recht genau wissen, was wir brauchen“, sagt Ocker. Das mache vieles einfacher – und vor allem schneller. Und auf die Geschwindigkeit kommt es eben nicht nur bei den verwendeten Echtzeitdaten an. Eine Aktualität, die die Kunden der Schwarz-Firmengruppe offensichtlich zu schätzen wissen. Bereits mehr als 60 externe Anwender arbeiten auf der Dilos-Plattform „und es kommen immer mehr hinzu – nicht zuletzt auch wegen der App“, berichtet Schwarz. Viele Verlader hätten die Vorteile für sich erkannt und folgerichtig ihre Dienstleister mitgebracht. Denn auch hier gilt, dass die Transparenz nicht an der eigenen Verantwortlichkeit innerhalb der Supply Chain endet.

Für Thomas Schwarz und Oliver Ocker ist schon jetzt klar, dass der Schritt, mit Dilos als IT-Dienstleister tätig zu werden, der richtige war. Daher sind bereits die nächsten Projekte auf den Weg gebracht worden: So etwa eine automatisierte Zeitfensterbuchung für die Rampe. „Es macht schlicht keinen Sinn, das weit im Voraus zu buchen, nicht zuletzt wegen der oft kritischen Verkehrslage. Da ist eine verlässliche Information eine halbe Stunde vor Ankunft für die Lagermitarbeiter wesentlich zielführender“, erklärt Schwarz. Der wirft zugleich noch einen Blick in die Glaskugel: „Ich gehe davon aus, dass unsere Stapler über kurz oder lang nachts selbsttätig Sendungen ein- und auslagern – und zwar lange bevor unsere Lkw vollkommen fahrerlos unterwegs sind.“ Doch egal was und wann es kommt, alle Prozessschritte sollen im Dilos-Portal abgedeckt werden. Denn nur dann mache Automatisierung und damit das Schlagwort Logistik 4.0 überhaupt erst Sinn.

Das Unternehmen

• Die Geschäftsführung der Schwarz-Firmengruppe liegt in den Händen der Brüder Thomas und Hans-Günther Schwarz

• Der Sitz des Unternehmens befindet sich im schwäbischen Herbrechtingen

• Neben der Schwarz Spedition gehören Schwarz Logistik, Kareka, Blitz (Gruß-Umstadt) und Dilos zur Gruppe

• Mehr als 500 Mitarbeiter steuern täglich rund 300 Lkw – davon sind 230 eigene Zugmaschinen

• Entsprechend der Spezialisierung auf Volumentransporte handelt es sich dabei hauptsächlich um Jumbofahrzeuge

• Schwarz ist Partner des europäischen Ladungsverbunds Elvis