Seeschifffahrt: Globale Logistik gerät unter Druck

04. März 2026Newsletter / Transport & Verkehr
Der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran führt erstmals dazu, dass zwei entscheidende Seewege im Nahen Osten gleichzeitig blockiert sind. Dies geht aus einem aktuellen Bericht des Wiener Risikoanalyseunternehmens Prewave hervor. Demnach sind sowohl die Straße von Hormus als auch die Handelsroute durch das Rotes Meer aktuell für den zivilen Schiffsverkehr gesperrt. Die Expertinnen und Experten von Prewave bewerten diese Entwicklung als systemischen Schock mit weitreichenden Folgen für die globalen Lieferketten
450.000 TEU im Persischen Golf eingeschlossen
Laut Prewave sitzen derzeit rund 170 Containerschiffe mit einer Kapazität von insgesamt etwa 450.000 TEU im Persischer Golf fest. Sämtliche großen Reedereien hätten ihre Aktivitäten in der Region ausgesetzt, zudem finde kein kommerzieller Schiffsverkehr mehr durch die Straße von Hormus statt. Auch die Route über Bab al-Mandab und das Rotes Meer sei aktuell geschlossen. Damit sind erstmals beide wichtigsten Seehandelsachsen zwischen Europa und Asien gleichzeitig blockiert.
Stark steigende Ölpreise
Die Auswirkungen treffen insbesondere den Energiemarkt. Öl- und LNG-Tanker haben den Verkehr eingestellt. Prewave erwartet kurzfristig stark steigende Ölpreise. Dazu erhöhte Versicherungsprämien sowie Versorgungsrisiken für energieabhängige Volkswirtschaften.
Obwohl die OPEC eine Fördererhöhung von 206.000 Barrel pro Tag beschlossen hat, kann ein Großteil der Reservekapazitäten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht exportiert werden, solange die Straße von Hormus geschlossen bleibt.
Asymmetrische wirtschaftliche Risiken in Asien
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Lage sind laut Analyse regional sehr unterschiedlich verteilt. Besonders verwundbar zeigen sich asiatische Volkswirtschaften wie Indien, Japan, Südkorea und Pakistan. Diese Staaten sind in hohem Maße auf Energie- und Containerimporte angewiesen, die über die Routen im Persischen Golf abgewickelt werden. Deutlich geringer fällt die Exponierung dagegen bei den Vereinigte Staaten und Israel aus, die als vergleichsweise resilient gelten.
Zusätzlicher Druck auf die globale Transportinfrastruktur
Neben der Seeschifffahrt verschärft sich die Situation auch im Bereich der Luftfracht. Eine mögliche Schließung zentraler Air-Cargo-Drehkreuze am Golf würde die internationalen Lieferketten weiter destabilisieren. Besonders betroffen wäre Dubai, das als wichtigster Luftfracht-Transitknoten zwischen Asien und Europa gilt. Mit rund 100 Millionen abgefertigten Sendungen pro Jahr zählt Dubai zu den bedeutendsten Luftfrachthubs weltweit und spielt eine Schlüsselrolle für den globalen Warenverkehr.
Seite teilen :