Sicherheitslage für Handelsschifffahrt verschärft sich
03. März 2026Newsletter / Transport & VerkehrDie internationale Handelsschifffahrt ist unmittelbar von dem militärischen Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran betroffen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) warnt vor einer dramatischen Verschärfung der Sicherheitslage entlang zentraler Seehandelsrouten im Persischen Golf und im Roten Meer. Besonders betroffen sind die Straße von Hormus sowie die Verbindung über Bab al-Mandab und den Suezkanal, Schlüsselachsen des globalen Handels zwischen Europa und Asien.
Angriffe nahe der Straße von Hormus
Deutsche Schiffe sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht direkt betroffen. Mindestens 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien befinden sich derzeit im Golfgebiet. Darunter zwei Kreuzfahrtschiffe mit rund 7.000 Passagieren an Bord, die die Region aus Sicherheitsgründen momentan nicht verlassen können. Eine physische Blockade der Straße von Hormus besteht laut VDR aktuell nicht. Allerdings warnen iranische Stellen per Funk vor der Nutzung der Meerenge. Die Lage bleibt volatil.
Rotes Meer: Zweite Krisenzone
Westlich des Golfs verlaufen mit Bab al-Mandab und dem Suezkanal weitere hochfrequentierte Handelsrouten. Bereits zuvor hatten die mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen im Jemen Angriffe auf Handelsschiffe angedroht. Die Kombination aus der Lage im Golf und anhaltender Bedrohung im Roten Meer schafft laut VDR ein „durchgehendes Risikoband“ entlang zentraler Energie- und Handelsrouten.
Viele Reedereien reagieren darauf mit Umleitungen um das Kap der Guten Hoffnung, dem Abzug aus Risikozonen und Wartepositionen außerhalb gefährdeter Gewässer.
Strategische Bedeutung für Europa
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Passagen der globalen Energieversorgung. Ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und LNG-Exporte passiert diese Meerenge. „Die deutsche Handelsschifffahrt garantiert täglich Versorgungssicherheit für Europa. Ihre Sicherheit ist strategische Notwendigkeit“, betont VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. Rund 300 deutsche Reedereien betreiben weltweit Handelsschiffe. Die Sicherheit von Besatzungen und Passagieren habe oberste Priorität.
Auswirkungen auf Lieferketten und Frachtraten
Sollte es zu längeren Umleitungen kommen, drohen verlängerte Transitzeiten, steigende Treibstoffkosten, höhere Versicherungsprämien sowie Engpässe im Container- und Tankerverkehr. Eine nachhaltige Störung der Golfroute würde erhebliche Auswirkungen auf Energiepreise, Industrieproduktion und globale Lieferketten haben.
Auch Luftfracht betroffen
Neben der Seeschifffahrt gerät offenbar auch die Luftfracht unter Druck. Eine mögliche Schließung zentraler Air-Cargo-Drehkreuze am Golf würde den wichtigsten Transitkorridor zwischen Ost und West empfindlich treffen. Dubai gilt als einer der größten globalen Luftfracht-Hubs mit rund 100 Millionen abgefertigten Sendungen pro Jahr. Branchenverbände wie die International Air Transport Association (IATA) warnen regelmäßig vor massiven Störungen globaler Lieferketten bei der Einschränkung zentraler Transitpunkte.