Transimeksa will Kombinierten Verkehr erschließen

08. Sept. 2020
Durch Einschränkungen des EU-Mobilitätspakets und den Fahrermangel gewinnt der Intermodalverkehr bei Großflottenbetreibern aus Mittel- und Osteuropa an Bedeutung. Das gilt sowohl für Girteka Logistics mit 7.500 eigenen Lkw als auch für Transimeksa mit rund 600 eigenen Lkw. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in der Hauptstadt Vilnius.
Noch wenige Erfahrungen im Kombinierten Verkehr
Noch ist der Kombinierte Verkehr (KV) für Transimeksa aber ziemliches Neuland. Nur 15 Prozent der rund 800 eigenen Auflieger sind für einen Kranumschlag geeignet. „Entsprechende Investitionen sind geplant“, kündigt Firmenchef Darius Vyšniauskas gegenüber eurotransport.de ein. Das 1994 gegründete Unternehmen mit Niederlassungen in Litauen, Lettland, Russland, Belarus, Italien und Deutschland beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter. Die Pläne zum Ausbau des Engagements auf der Schiene waren auch einer der Hauptgründe für den Erwerb der mittelständischen Spedition Frölich aus Hessisch Lichtenau bei Kassel.
Ein Schwerpunkt von Frölich ist der Intermodalverkehr, den das Unternehmen als ökologisch und gleichzeitig ökonomisch bezeichnet. 1973 nahm Frölich mit einem Lkw auf der Straße die ersten Verkehre nach Italien auf. Inzwischen verlädt die Spedition wöchentlich rund 40 Auflieger auf der Relation Kassel–Verona auf Direktzüge von TX Logistik.
Transimeksa nutzt den Seeweg auf der Ostsee
Der neue Eigentümer Transimeksa, der Frölich zum 1. September übernommen hat, ist bislang nur im KV in Verbindung mit der Fähre tätig – auf der Ostsee zwischen Lübeck und St. Petersburg und zwischen Kiel und der litauischen Hafenstadt Klaipeda. Für die Aktivitäten in Verbindung von See- und Landweg betreibt das litauische Unternehmen bereits einen deutschen Standort in Hamburg, der als Transimeksa Intermodal firmiert.
Noch sind die Aktivitäten im KV also überschaubar, aber mithilfe von Frölich soll sich das ändern. „Kombinierte Transportlösungen werden bei uns Priorität haben und ausgebaut“, erklärt Vyšniauskas. Er habe nicht die Absicht, analog auf der Straße zu wachsen und die Flotte in den nächsten drei Jahren gewaltig aufzustocken. „Es ist nicht unser Ziel, mit den riesigen Flotten zu konkurrieren“, sagt er. „Wir fokussieren uns hauptsächlich auf Nischenmärkte und Qualität.“ Auch strebt er an, die Logistikaktivitäten in den nächsten Jahren voranzutreiben.
Transimeksa prüft weitere Übernahmen
Nun aber steht erst mal die Integration des Neuzugangs und der deutschen Firmenkultur in das internationale Transimeksa-Netzwerk an. In dem Zusammenhang dürften auch die deutschen Kunden für den neuen Eigner von Interesse sein. Etwa 30 Prozent des Firmenumsatzes stammen bereits von deutschen Auftraggebern. „Wir sind vielleicht etwas spät dran, mit der Entscheidung, uns in Deutschland niederzulassen“, sagt Transimeksa-Chef Vyšniauskas, dem das Unternehmen gehört. „Aber besser spät als nie.“ Was er für die deutsche Spedition bezahlt hat, sagt er nicht. Die Kasse scheint aber gefüllt. Denn Vyšniauskas bestätigt, dass er weitere Möglichkeiten für Übernahmen in Deutschland und anderen Ländern prüft.
Was die bisherigen Erfahrungen mit Frölich und dem Führungsduo angeht, ist er voll des Lobs: „Ich kann Familie Frölich nur meine Dankbarkeit ausdrücken, sie sind sehr offene und ehrliche Menschen.“ Monika und Helmut Frölich hatten das Unternehmen aufgrund fehlender Perspektiven für die Nachfolge verkauft. Unter dem Dach von Transimeksa ergeben sich ihrer Ansicht nach neue Entwicklungsmöglichkeiten für den Mittelständler, der vor 135 Jahren gegründet wurde, 60 Mitarbeiter beschäftigt und 60 eigene Lkw sowie 90 Trailer einsetzt.
„Dies ist ein Meilenstein in unserer Nachfolgeregelung“, erklärt Frölich. „Das Dienstleistungsangebot, die ergänzende geografische Reichweite und die nachhaltige Wachstumsstrategie der umsichtigen Gruppenleitung machen die Transimeksa-Gruppe zum perfekten neuen Eigentümer des Unternehmens, dem meine Frau und ich unser Leben für mehr als vier Jahrzehnte gewidmet haben“, sagt Frölich. Beide werden demnach noch die Übergangsphase eng begleiten und danach in den Ruhestand wechseln.