Zu viel Bürokratie bei Schwertransporten
09. Okt. 2025NewsletterDer Bundesverband Schwertransporte und Kranarbeiten (BSK) fordert eine vollständige Digitalisierung und bundesweit einheitliche Regelungen. Schwertransporte stünden auf der Kippe, so Andreas Kahl, Geschäftsführer der Kahl Unternehmensgruppe und BSK-Aufsichtsratsvorsitzender, bei einer Pressekonferenz des Verbandes.
Die drei wichtigsten Anliegen der Branchenunternehmen sind daher die Fortsetzung von Spitzengesprächen mit der Politik, eine Vision 2030 für die Genehmigungsbeschleunigung durch höheren Digitalisierungsgrad und eine Straffung der Prozesse durch ein zentrales Regelwerk.
„Wir haben nicht viele Mitarbeiter und nicht den größten Marktanteil, gemessen am Transportvolumen, daher werden wir nicht wirklich als Marktteilnehmer wahrgenommen“, sagte Kahl. „Aber wir bewirken eine große Wertschöpfung durch die Transporte, die durch uns durchgeführt werden.“ Denn bei den Großraum- und Schwertransporten gehe es immer auch um wichtige Themen wie Infrastrukturprojekte oder Anlagebau, also Projekte, die auch eine Transformation voranbringen. „Wir sind nicht nur Windkraft“, sagte Kahl.
In Ihrer Arbeit werden die Unternehmen aber behindert. Zentrales Problem ist die marode Infrastruktur, im Wesentlichen das Straßennetz und die nicht belastbaren Brücken. Laut Kahl werde es dadurch immer aufwendiger, die Transporte durchzuführen. Für Verlader bedeutet das zunehmende Unwägbarkeiten bei Durchführung der Transporte, was wiederum den Industriestandort Deutschland gefährde: „Lieferketten werden gestört und die Umsetzung großer Infrastrukturprojekte verhindert.“
Laut Kahl gab es in der letzten Legislaturperiode gute Ansätze, etwa aus einer Arbeitsgruppe der Verkehrsministerkonferenz und aus der Verbändeinitiative Großraum- und Schwertransporte, an der auch die verladende Wirtschaft beteiligt war. Nach dem Aus der Ampelregierung warte die Branche auf die Umsetzung der Empfehlung, die allerdings nicht der Ursachenbekämpfung diene.
Laut Helmut Schgeiner, Geschäftsführer und Vorstand des BSK, ist daher die zentrale Forderung die Fortführung der Spitzengespräche mit der Politik. Aktuell zeige sich aber etwa das Bundesministerium für Verkehr (BMV) noch zögerlich.
Dabei gehe es etwa darum, mit dem BMV etwa ein Verfahren zu erarbeiten, das die GST-Genehmigungen vereinfache. Ein Beispiel: Transportunternehmen müssen dafür schon lange vor dem Transport genaue Angaben zur Zugmaschine machen. Um flexibel zu bleiben, stellen die meisten daher Anträge für mehrere Fahrzeuge – „ein irrer Verwaltungsaufwand“, sagt Schgeiner. Ziel sei, in Abstimmung mit der Politik ein praktikableres Verfahren zu entwickeln.
Mit der Vision 2030, der Entbürokratisierung des Genehmigungsverfahrens durch Digitalisierung, wollen die Verantwortlichen laut Schgeiner darüber hinaus erreichen, dass der GST-Prozess vom Antrag über die Genehmigung und die Durchsetzung bis zur Auflagenumsetzung digitalisiert wird.
Denn noch immer bestünden Medienbrüche zwischen Papier, E-Mail und Excel. Außerdem seien zu viele Beteiligte mit unterschiedlichen Voraussetzungen eingebunden: „Ein digitalisiertes Verfahren könnte mehr Flexibilisierung und Agilität möglich machen, beispielsweise wenn aufgrund einer mangelhaften Infrastruktur auf einmal Streckenänderungen vorgenommen werden müssen“, sagt Schgeiner. Und auch uneinheitliche Prüfvorgänge machen den Prozess schwierig.
Darauf basiert auch die dritte Forderung des BSK: Mit einem Portal könnte deutschlandweit abgebildet werden, welche Anträge und Genehmigungsverfahren für einen GST bestehen. Denn bislang gebe es einen Flickenteppich aus Anordnungen, Richtlinien und Gesetze und einen Prozess, der durch kommunale und regionale Behörden sowie Ministerien der Länder und des Bundes beeinflusst werde. Laut Schgeiner zeichne sich hier der Nachteil der föderalen Struktur ab. „Der Bereich GST ist daher völlig überbürokratisiert. Zusätzliche Verordnungen, Gesetze und Verwaltungsrichtlinien haben ein Zuständigkeitskonglomerat verursacht.“ Seiner Ansicht nach bestehen für viele Detail-Regelungen keine plausiblen Begründungen: „Es braucht also auch nicht immer wieder Wunschkonzerte von einzelnen Behörden.“
Mit dem Fokus auf ein Regelwerk sollten daher alle Themen zusammen betrachtet, aufeinander abgestimmt und erst dann wieder in neuen Vorschriften gebündelt werden, am besten in ein GST-Gesetz, sagen die BSK-Vertreter. „Um diese Prozesse anders aufzubauen, brauchen wir als Branche aber einen politischen Ansprechpartner“, so der Verbands-Geschäftsführer.